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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 111

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 111)
Language
German
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51 Die Untersuchung gegen Lippold war so gut wie ohne Resultat geblieben. Es hatte sich nichts Belastendes ergeben• Im Gegenteil, Lippold stand gegen den neuen Kurfürsten als Gläubiger da. Offenbar hatte Johann Georg die zweifelhaften Posten, auf welche die Kommission am Schlüsse ihres Berichtes hingewiesen hatte, nicht weiter verfolgt. Lippold sollte ans der Haft entlassen werden, da etwas Greifbares nicht gegen ihn vorlag. Nun hatte man Lippold aber, wie es scheint, von Anfang an nicht lange im Gefängnis bleiben lassen, sondern in seinem eigenen Hause, das in der Stralauerstrasse lag, festgehalten und eine sogenannte Bürgerwache hineingelegt. Es ist vielfach die Ansicht geäussert worden1), Lippold habe anfangs im Turm gesessen und erst, als die Prüfung seiner Rechnungen keine Belastung ergab, sei er aus dem Turme entlassen und in seinem eigenen Hause bewacht worden. Diese Meinung kann aber nicht richtig sein. Denn zufällig ist uns im St.-A. folgendes Schriftstück erhalten: ״Der Rath zu Berlin haben auf des Kurfürsten Verordnung den Wächtern, so bey dem Juden Lippold gewachet, verlohnet wie folget: 108 Th. 5 Sgr. den Wechtern Jakob Haberkorn nnd Heinrieh Dreuden für 53 Wochen von Judica (1. April) 71 bis Sonnabend nach Judica (29. März) 72. 63 Th. 7 Sgr. H. Dreuden und Hans Homen für 31 Wochen, Judica (23. März) 72 bis Donnerstag nach Simon et Jude (20. Oktober)“. Hier ist also ausdrücklich der Beginn der Wache in Lippolds Hause auf Judica 71 — etwa Ende März 1571 angegeben. Der Chronist Hafftiz lässt die Wache in Lippolds Hause bereits mit dem Tode Joachims II. beginnen und fügt nebenbei die tragikomisch anmutende Notiz hinzu, die Wächter hätten von Lippolds gemästeten Gänsen, feisten Kapaunen, Hühnern und anderen Viktualien, auch gutem Getränke, ״so sie da gefunden, ein gutes Mütlein getan“ und ״in perquellis“ gelebt2). Die obige Aufstellung des Wächterlohnes aber dürfte wohl als authentische 9 So von Brecht a. a. 0.?) Micro chronlcon (Riedel, D, S. 128).

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