Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 104)
- Language
- German
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44 aussagen und erzählte, er habe sie sich von der ״Schwei־ cheldten“1) geben lassen, um sie dem Kurfürsten, dem sie gehörten und der sie der Frau geliehen hatte, wieder zuzustellen. Dem Abraham aber habe er die Ketten deshalb gegeben, weil er keinen anderen Bekannten gehabt und weil er fürchtete, wenn er sie bei sich behielte, würden sie ihm die Diener wegnehmen und ״abhendigk“ bringen. Tn ähnlicher Weise hatte übrigens auch Anna Sydow noch während sie in ihrem Hause bewacht wurde (vor ihrer Ueberführung nach Spandau) einen Beutel mit Goldmünzen in Sicherheit zu bringen versucht2). Es ist aus dem Protokoll ersichtlich, dass Lippolds Verhaftung während des Tumultes erfolgte. Offenbar hatte er sich von Abrahams Haus einen Augenblick auf die Strasse begeben und war dort von den umherstreifenden Dienern ergriffen worden. Wir sehen ferner aus der anschaulichen, wenn auch ziemlich abrupten Aussage Abrahams, dass man nicht nur auf Lippold, sondern auch auf andere Juden Jagd machte. Wahrscheinlich war der Pöbel aufgehetzt und suchte jeden erreichbaren Juden zu misshandeln und zu plündern. Die Anschuldigung, unter der man Lippold gefangen .hielt, und auf die sich auch die Untersuchung erstreckte, bezog sich lediglich auf Unredlichkeiten in seiner Kassen־ führang. Lippolds Bücher wurden einer Kommission zur Prüfung übergeben. Dieser Kommission gehörten an: Georg *) Es scheint, als ob wir in der Frauensperson, von der unter dem Namen der Ch urdtSchweicheldten die Rede ist, auch eine Maitresse Joachims II. zu sehen haben. In einem, dem Protokoll vorhergehenden Entwürfe der Fragen, die an Jakob zu richten seien, heisst es u. a., er solle befragt werden, woher er gewusst hätte, dass die Kette, welche die Schweicheldten hatte, dem Kurfürsten gehörte, ob er denn gesehen habe, wie der Kurfürst ihr die Kette um hing? Ob er nicht zu ihr gesagt, der Kurfürst hätte ihm befohlen, er solle die Kette fordern und ein Gehänge daran machen lassen, ,.dan der Churf. würde zu mittage rein khome n“. Diese Andeutungen lassen sicherlich den Schluss auf ein intimes Verhältnis zu dieser ״Schweicheldten“ zu. Es ergibt sich aus dieser Vernehmung auch insofern noch ein weiteres Moment, als wir sehen, wie nicht nur Lippold selbst, sondern auch sein Sohn Jacob zu Diensten für den Kurfürsten verwendet wurde. s) Vgl. hierüber Holtze: Märk. Forsch. XX, S. 205 f.