Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 103)
- Language
- German
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43 ihn als Unterpfand für eine Schuld an Friedrich Trebbow zurück. Dann sprang er zum Fenster hinaus. Auf der Strasse hörte er ״Ach und Wehe“ schreien und lief deshalb in Eislebens Haus, wo er sich über zwei Stunden auf dem Boden versteckt hielt. Da wollte es der Zufall, dass Lippolds Sohn mit einem kleinen Bruder in demselben Hause Zuflucht suchten. Dies bemerkten die verfolgenden Stadtdiener, die das Haus durchforschten und ihn und den kleinen Sohn Lippolds fanden. Der ältere hatte sich durch einen Sprung auf das Nachbarhaus gerettet, fiel aber kurz nachher den Dienern doch in die Hände. Nach seiner Verhaftung erhielt Abraham zunächst gründliche Prügel und wurde dann einer Durchsuchung unterworfen, die jedoch nur die um den Hals gelegten Ketten und das Säckchen im Busenlatz zutage brachte. Nachdem er in den Turm gesetzt war, übergab er aber die grosse Kette, die er von einer jungen Frau erhalten haben wollte, dem Hausvoigt, die vier Stücke Zahngold und ein Schächtelchen dem Bürgermeister. Dieses Protokoll gibt uns nicht nur über Lippold, seine Fluchtabsicht und seine Verhaftung Aufschluss, sondern eröffnet uns auch einen Einblick in die allgemeinen Vorgänge jener Tage. Zunächst sei betont, dass es durchaus falsch wäre, aus Lippolds Fluchtabsicht auf sein Schuldbewusstsein zu scbliessen 1). Lippold kannte sicherlich die Gesinnung des neuen Kurfürsten gut genug, um gewaltsame Massregeln, wie gegen andere Hofbeamte Joachims II., so auch gegen sich fürchten zu müssen. Was Wunder, dass er auf Flucht sann?. Welche Bewandtnis es mit den Goldsachen hatte, die Lippolds Sohn dem Abraham übergab, ist nicht klar. Jedenfalls wollte Lippold nicht, dass die Sachen bei ihm gefunden wurden. Man braucht jedoch hieraus nicht gleich auf einen unredlichen Erwerb zu schliessen. Ebensogut ist es möglich, dass die Goldsachen den Plünderern oder der Konfiskation entzogen und für spätere Zeit verwahrt werden sollten. Ja, wir haben hiefür sogar einen direkten Beleg aus einem gleichfalls vom 6. Januar datierten Protokoll über eine Vernehmung von Lippolds Sohn Jacob2). Er sollte über die Herkunft der von ihm dem Abraham zugestellten Ketten *) Dies tut Brecht: ״Der Bär** 1875, S. 106. 2) St-A.