Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 102)
- Language
- German
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42 gegangen. Hier habe Lippold wiederholt gefragt: ״Hast Du auch ein gutes Pferd?“, worauf Abraham antwortete, er besitze einen sogenannten Wettläufer. Lippold schickte nun seinen Sohn hinaus und blieb mit Abraham allein. Da sah er in der Dunkelheit zwei Männer auf das Haus zukommen und er erkannte in ihnen Puchners Knecht Hans und einen gewissen Heinrich. Lippold bat, Abraham möge die Beiden nicht einlassen, sondern fortschicken. Abraham tat dies, und kurz darauf kam Lippolds Sohn weinend wieder. Nun bat Lippold, Abraham solle schnell das Pferd holen und vor den Schlitten spannen, er wolle alles bezahlen. Das Pferd Abrahams stand jedoch in einem dem Hause gegenüberliegenden Stalle. Als nun Abraham dorthin gegangen war, um das Pferd anzuspannen, trat ein Christ, Friedrich Trebbow, hinzu und warnte ihn. Er könne um Leib und Leben kommen. Abraham antwortete, er müsse dem Wunsche Lippolds nachkommen, denn dieser sei der Juden Oberster. Trebbow aber rief: ״Tu es beileibe nicht! Unser gnädiger Herr ist verstorben!“ Und als darauf noch ein gewisser Hans Weber hinzutrat, forderte Trebbow ihn auf, ihm das Pferd wieder ausspannen zu helfen, damit Abraham entschuldigt sei. Das Pferd wurde wieder in den Stall gebracht, und Abraham kehrte in sein Haus zurück. Aber hier traf er weder Lippold noch seinen Sohn an. Der letztere kam indes bald wieder und fragte, wo sein Vater sei. Darauf sagte Abraham, er könne das Pferd nicht stellen, und Jakob verliess das Haus, um sich nach dem Vater umzusehen. Kurz darauf aber kehrte er kläglich weinend zurück und jammerte :״Ach, da führen sie meinen Vater hin, und werden alle Juden gefänglich eingezogen werden und um Leib und Leben kommen!“ Gleichzeitig übergab er Abraham einige goldene Ketten, vier Stücke Zahngold sowie weitere Goldsachen mit der Bitte, alles schnell einem guten Freunde zuzustellen, und lief davon. Abraham sagte dann weiter aus, nun sei ihm selbst bange geworden. Er steckte die grosse Kette und die vier Stücke Zahngold in seine Beinkleider, die kleinere Kette legte er sich um den Hals. Etwa ein Dutzend goldene Ringe, drei Kleinodien und andere Ringe, sowie drei Goldgulden tat er rasch in ein Säckchen und steckte es in seinen Busenlatz. Die übrigen Goldsachen legte er in einen Beutel, versiegelte ihn und liess