Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
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41 Frankfurter Juden, und es werde sich dann heraussteilen, ob Joachim II. von ihnen ermordet sei. Vielleicht würde die Untersuchung auch noch andere unvermutete Ergebnisse zeitigen. Das anonyme Schreiben weist dann auf die zweifellos erfolgte ärztliche Einbalsamierung der Leiche hin und fügt hinzu: ״Intelligentibus satis dictum estet per נ culum in mora“ — wiederum eine Mahnung zur Eile. Schliesslich wird in dem Schreiben erzählt, der Bichter von Berlin habe bei einem J uden das Juden privilegium gefunden und dem Hofe wieder überbracht. Johann Georg möge wohl überlegen, ob man den Juden dieses Privilegium, das ihnen ja von des Kurfürsten Vater erteilt sei, gänzlich entziehen oder es ihnen wieder zustellen solle, unter der Bedingung, bei einer geplanten Vertreibung es ihnen wieder abzunehmen. Es wird sich im folgenden zeigen, dass die Untersuchung gegen Lippold sich zunächst nur auf sein K assenführeramt erstreckte, dass also der in vorliegendem Schreiben enthaltenen Anregung keine Folge gegeben wurde. Sei es nun, dass dem Kurfürsten die Verdachtsmomente nicht ausreichend schienen, sei es, dass das Schreiben nur einen — in Wirklichkeit nicht abgeschickten — Entwurf darstellt, jedenfalls ist es ein Beweis für die geheime Minierarbeit, die sofort nach Joachims Tode gegen Lippold einsetzte und von der uns zufällig nur dieses eine Zeichen — dieses eine aber glück• licherweise — erhalten blieb. Die in diesem Schreiben erwähnte Fluchtabsicht Lippolds hatte tatsächlich bestanden. Über die Schritte, die Lippold zur Verwirklichung seiner Absicht tat, sowie über die näheren Umstände seiner Verhaftung belehrt uns ein vom Dreikönigstage (6. Januar) datiertes Vernehmungsprotokoll des Juden Abraham1). Dieser sagte folgendes aus : Er sei (wahrscheinlich am einem der vorhergehenden Tage) um 6 Uhr an ״Hans Fritzens Ecke“ gegangen und sei dort mit Lippold und dessen Sohn Jacob zusammengetroffen. Da habe ihn Lippold gefragt: ״Hast Du vielleicht ein Pferd und einen Schlitten?“ Er, Abraham, habe die Frage bejaht, und darauf seien alle drei in Abrahams Haus 1J St.-A-, s. Beilage V.