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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 98

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 98)
Language
German
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Andreas Lindholz und Albrecht Thum und endlich — Li ppo 1 d. Die treibende Kraft bei all diesen Massnahmen spielte der Kanzler Lampert Distelmeyer, der als der oberste Chef der Rechtsprechung die Fäden aller nunmehr sich abspielenden Vorgänge in der Hand hielt. Distelmeyer war ein tüchtiger Beamter, dessen Bemühungen die Hohenzollern die Belehnung mit dem Herzogtum Preussen verdankten, aber auch ein schlechter Charakter. Sein Bild, von dem alten Gundling in den leuchtendsten Farben geschildert, hat nach Holtzes Spezialforschungen viel an Glanz verloren 1). Besonders treten die Eigenschaften der Selbstsucht und Habsucht an ihm hervor. Schon unter Joachim II. hatte er die an Verschwendung grenzenden Geldausgaben des Kurfürsten nicht nur aus politischen Gründen, sondern auch zum eigenen Vorteil gern gesehen2). Als nun Joachim starb, richtete sich der Verdacht Johann Georgs wie gegen die übrigen Beamten sicherlich auch gegen Distelmeyer. Aber der Kurfürst erkannte wohl bald, dass ihm Distelmeyer als die Seele des Beamtentums unentbehrlich sein würde. Und so blieb er in seinem Ajnte. Er hatte aber auch alles getan, um dieses Ziel zu erreichen. ״Es lässt sieh nicht verkennen“, sagt Holtze 3), ״dass der uns erhaltene Rest archivalischer Nachrichten aus jenen Tagen uns Distelmeyer als Parvenü zeigt, dem jedes Mittel recht ist, wenn er sich dadurch in seiner Stellnng erhalten kann, nicht als Hüter von Recht und Gerechtigkeit, sondern als der Vollstrecker kleinlichster polizeilicher Willkür. Man kann sich der Empfindung nicht verschliessen, als habe der langjährige erste Beamte des Staates nicht die Grösse gehabt, auf die Gefahr hin, seine Stellung zu verlieren, Unrecht zu verhüten, vielmehr mit Eifer darnach gestrebt, sich dem neuen Herrscher als ein bequemes Werkzeug zu empfehlen“. Vor allen Dingen musste es ihm darauf ankommen, den Unwillen des Volkes über die Misswirtschaft des verstorbenen Kurfürsten von der Verwaltung abzulenken. Er sowohl als auch Johann Georg selbst suchten nach Sündenböcken, und wie l) Vgl. Holtze Biographie Distelmeyers in Heft 32 der Schriften d. V. f. Gesch. d. St. Berlin. *) Ebenda S 44. •) Ebenda S. 46.

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