Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 97)
- Language
- German
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S7 Gemütsanlage war, in stillem Grolle dem Aufwand seines Vaters, dessen Passionen ihm sicher nicht verborgen blieben, zngeschant. Und wenn er auch keine der Pflichten versäumte, die er dem kurfürstlichen Vater als regierendem Herrn schuldig "war1), so gab er doch den Hof beamten Joachims II., denen er die ganze Schuh! an dem Treiben des Vaters zumass, deutlich zu verstehen, dass er ihre Wirtschaft missbillige. Hatten doch die letzten Eegierungsjahre Joachims eine vollständige Zerrüttung der Finanzen des Landes herbeigeführt, so dass er bei seinem Tode eine Schuldenlast von nicht weniger als 22/ג Millionen zuriickliess2). Johann Georg schien für den Fall, dass sein Vater sterben sollte, seine Massnahmen längst geplant zu haben. Die Ratgeber Joachims II. mussten bestraft werden. Und so bestand seine erste Eegierungshandlung darin, dass er unverzüglich noch in der Frühe des 3. Januar die Tore Berlins schliessen liess, damit die Günstlinge seines Vaters, die er bestrafen wollte, nicht entfliehen könnten. Er liess auch einzelne von ihnen in Haft nehmen, ihre Papiere versiegeln und mit Beschlag belegen. Zu den Verhafteten gehörte in erster Linie Anna Sydow, die nach Spandau gefangen gesetzt wurde, wo sie 1575 starb. Ferner traf der Zorn des neuen Kurfürsten den Rentmeister Thomas Matthias3), einen wackeren, selbstlosen Mann, den Kammerrat Grieben, der nach Klistrin ins Gefängnis kam. die Räte ו) Vgl. Pauli: a. a. O., S. 216. 2) Vgl. Droysen: Preussische Politik 11. S. 440, lsaacsohn in der Zeitschrift für preussische Geschichte und Landeskunde, 1879, S. 475. — Die Verschuldung des Landes wurde umso tiefer empfunden, als sich nach dem acht Tage später erfolgenden Tode des Markgrafen Johann von Küstrin erwies, dass im Gegensatz zu Joachim II. die neumärkische Regierung nicht nur nicht verschuldet war, sondern sogar bares Geld angesammelt hatte, vgl. Pauli, a. a. 0. 3) Matthias, der Sohn des Brandenburger Bürgermeisters Christian Matthias, war zugleich Bürgermeister von Berlin. Cr hatte sein ganzes Vermögen für Joachim II. geopfert. Kaum zehn Gulden fand man bei ihm. Obwohl die Untersuchung seine Redlichkeit bestätigte, müssen ihm doch gewisse formelle Fehler nachgewiesen worden sein; denn es erfolgte seine Amtsentlassung. 1576 begab er sich vor der Pest nach Brandenburg. Er starb daselbst und ist in der Sankt Gottbardkirche begraben.