Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
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34 Dezember hatte er Berlin verlassen, um das Neujahrsfest in denn von ihm besonders geliebten Schlosse zu Köpenick zu verleben und dann in den benachbarten grossen Waldungen Jagden zu veranstalten. Es scheint aber, als ob der Kurfürst schon bei seiner Ankunft in Köpenick körperliches Unbehagen empfand; denn seine Umgebung bemerkte eine auffallende Veränderung in seinem Wesen. Sein Sinn wandte sich religiösen Dingen zu, und nachdem er am Neujahrstage dem öffentlichen Gottesdienst beigewohnt hatte, liess er sich bei der Tafel von einem Edelknaben eine N en j ahrspredigt Luthers vorlesen. Als die Hofbeamten ihre Glückwünsche darbrachten, antwortete der Kurfürst in einer pessimistisch angehauchten, von Todesahnungen erfüllten Rede1) Am 2. Januar kehrte der Kurfürst um 5 Uhr von der Jagd zurück in das Schloss. Bei der Abendtafel war nach den Berichten der Chronisten eine ganze Anzahl von hochgestellten Persönlichkeiten zugegen, unter ihnen nicht weniger als drei Prediger. Es bleibt jedoch auffallend, dass trotzdem in den letzten Augenblicken des Kurfürsten kein Theologe an seinem Lager stand. Denn einer der Diener fragte den Kurfürsten, ob er in seinem Glauben sterbe. Auch die Tatsache, dass der Kurfürst sich mit Kreide ein Kruzifix auf den Teppich der Wand (nach Anderen auf eine Holztafel) zeichnete, lässt den Schluss auf das Fehlen eines Geistlichen zu. Man wird also wohl den Erzählungen der Chronisten misstrauen dürfen und mit Holtze annehmen müssen, dass der Kurfürst in Wirklichkeit nicht von seinen Hofbeamten umgeben war, sondern von einer ״ziemlieh untergeordneten Jagdgesellschaft“2). Gegen Mitternacht war der Kurfürst zu Bett gegangen, und vor dem Einschlafen hatte ihm Lippold ein Glas Wein (Malvasier nennen ihn die Chronisten) gereicht, den üblichen Schlaf־ war der Schlitten umgeworfen worden und der Kurfürst machte die scherzhafte Bemerkung: ״Hier liegt das Haus Brandenburg und tut einen grossen Fall!“ ג) Von Leuthinger berichtet. *) Schriften des Vereins f. Gesch. d. St. Berlin, Heft 32, S. 43 f. Holtze fügt hinzu, dass Joachim II überhaupt zu seinen Ratgebern keinerlei persönliches Verhältnis hatte und als Mensch wesentlich anderen Grundsätzen huldigte, denn als Fürst. Vgl. übrigens auch Schneider: Sehr. d. Ver. f. Gesch. d- St. B., Heft 8, S. 60* *