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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 93

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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33 guit in Gottes und seiner Herrschaft gewalt stehe, und man nicht kann wissen, wie seine Sachen mochten zum Ende laufen. Schreiet das Geld der unmündigen zu uns, dass man dasselbe Geld aus seinen Händen soll abfordern und anderen beglaubten Leuten übergeben“. Die ganze Erbschaft soll er an die anderen Vormünder in Posen ausliefern, das ״Inventarium in originali fürbringen und die Judenzinsen, die er davon aufgenommen, erlegen״. Lippold, dem die Klage übergeben war, wendete ein, dass die Freunde der Kinder ja all die Jahre her geschwiegen und nicht die Herausgabe der Güter etc. verlangt hätten. Auf diesen Einwand erfolgte die sehr bezeichnende Antwort, dass man ihn hätte regieren lassen, sei kein freier Wille gewesen. ״Nur allein durch seine grosse mechtigkeit, die er gehabt von Churf. Gnaden seliger hochloblicher Gedecktnusse, und darauf ehr sich verlassen hat, als idermann wohl bewusst“. Lippold war etliche Male vor den jüdischen Gerichtshof zitiert. Er ״hat aber auf die jüdische Ordnung nicht viel geben und allezeit auf die gewaltigkeit vom Churfürsten sich verlassen“. Wir sehen so in Lippold das Bild eines Mannes, der aus niederem Stande in eine hohe, einflussreiche Stellung emporgestiegen war, seine Macht rücksichtslos ausnützte und von Christen wie Juden gefürchtet und gehasst wurde, eines Mannes, der die mannigfachen Vorteile seiner Stellung wahrzunehmen und durch diese Stellung auch seinen Wohlstand zu vermehren wusste, der aber seinem Herrn, auf dessen Passionen er halb lächelnd, halb entrüstet hinblickte, in unwandelbarer Treue ergeben war und in immer engere Beziehungen zu ihm trat. Und über diesen Mann brach nun das fürchterliche Schicksal herein, zu dessen Beschreibung wir jetzt übergehen. 3. Anklage, Prozess und Hinrichtung. Kurfürst Joachim II. starb in der Nacht von 2. zum 3. Januar 1571 in seinem Schlosse zu Köpenick. Es wird hervorgehoben, dass er noch wenige Tage zuvor verschiedene Schlittenfahrten veranstaltete und dabei äusserst fröhlich war1). Am 28. *) Auf der am 19. Dezember unternommenen Fahrt nach Spandau Jahrbuch J. L. Gr. VII. 3

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