Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 95)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/3486266-3486279--2588-3488508- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
35 trank. Wir sehen also hier Lippold, der, wie bereits erwähnt, diese Tatsache nicht bestritt, in der nächsten Umgebung des Kurfürsten und mit den intimsten Hilfeleistungen betraut. Zwei Quellen führen als eine Art Mittelsperson die ״Ban de! in“ ein, eine der kurfürstlichen Maitressen (S. oben S. 16), durch die Lippold dem Kurfürsten den Trunk habe reichen lassen1). Die Anwesenheit dieser Person scheint authentisch zu sein, denn in Punkt 34 der Urgicht2) wird sich der Ausdruck ״und noch eine Person“, die neben Lippold ״in der Kammer“ des Kurfürsten beim Tode zugegen war, nur auf sie beziehen, und wir dürften hierin eine weitere Stütze für Holtzes Annahme einer untergeordneten Gesellschaft erblicken. Nach etwa einer Stunde wachte der Kurfürst wieder auf und zeigte ein heftiges Unwohlsein. Dasselbe scheint vor allem in überaus quälenden Hustenanfällen sich geäussert zu haben, die mit starkem Herzdrücken und Prostgefühl verbunden waren3). Der kurfürstliche Leibarzt, Dr. Luther, war einige Tage zuvor von Joachim selbst nach Küstrin zu seinem Bruder, dem Markgrafen Johann, geschickt worden, um diesem in einer Krankheit beizustehen. Infolge dessen waren die Diener ratlos. Sie reichten dem Kurfürsten Medikamente, die sie gerade vorfanden. Herbeigerufene Aerzte aus der Stadt schufen dem Kurfürsten Linderung4). Allein diese war nur von kurzer Dauer. Neue Anfälle kamen. Zwischen 4 und 5 Uhr am Montag des 3. Januar trat der Tod *) Berichtet von B.״A. und W.-A Siehe Beilage XL und Beilage X1L 2) S. Beilage X. 3) Diese Symptome werden von allen Quellen angegeben. Gallus: Geschichte der Mark Brandenburg 111, S. 116: ״Nach kaum einer Stunde Schlaf weckte ihn ein heftiger Husten, Beängstigungen klemmten seine Brust und Frost Hess den Körper erstarren, dann heftiges Würgen und starke Ohnmacht**. Andreas Musculus in seiner Leichpredigt: ״ln tötlicher Schwachheit aufwachend*‘, ebenso Franz von Hildesheim: Vitae duorum electorum: ״de magna corporis totius omniumque virium imbecilütate conqueri coepit“ 4) Haftitius: De vita et obitu electoris, 1571: ״Postquam unam aut alteram horam placide quievisset, gravi dolore se infestari conquestus est. Dumque ministri tarn insperato casu consternati partim absentium medi~ corum remedia anxie desiderarent, gravi tussu correptus inter vomendum corporis et animae viribus destitutus, morbo succubuit.“