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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 85

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 85)
Language
German
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25 sehen Städteverfassungen“ Band III S. 128 tut. Denn Zimmermann stützt sich nach seiner eigenen Angabe auf Akten des geh. Staatsarchivs und des später mit diesem vereinigten Kabinetsarchivs. Zimmermann weiss zunächst von einem gewaltsamen Einbruch keine Silbe zu berichten. Er erzählt von einer Steuer auf Luxusartikel, die von Joachim II. im Jahre 156T zur Aufbesserung seiner Kasse erlassen worden sei. ״Den Bat dazu hatte der Jude Lippold erteilt und ihn ziemlich rücksichtslos ausgeführt. Alles Gold, Silber und vorrätige Geld, das aufgelagerte Gewand, sowie Seide musste angegeben und ein gewisser Teil dem Juden Lippold als dem Direktor dieser Steuererhebungen eingeliefert werden“. Also, wie man sieht, eine Steuermassregel, deren Veranlassung wohl auf Lippold zuruckgeht, die aber einmal jedes gewaltsamen Charakters entbehrte und bei der es sich auch nicht lediglich um Miinzmetall handelte1). Lippold war in der Beschaffung von Geldern für seinen fürstlichen Herrn von einem Eifer beseelt, der allerdings auch vor Bücksichtslosigkeiten nicht zurückschreckte. Aber gerade in dem vorliegenden Fall ist Lippold fälschlich der Härte und der Ungesetzlichkeit bezichtigt worden. Auch diese Bezichtigung ist auf Bechnung des masslosen Hasses zu setzen, mit dem Lippold schon bei seinem Leben und auch später verfolgt wurde. Dieser Hass, der vornehmlich pekuniären Gründen entsprang und sicherlich mit einer guten Portion Neid auf die Stellung des Emporkömmlings vermischt war, ist aber nicht nur auf christlicher Seite zu finden, sondern auch auf jüdischer. Dass die Patrizier Berlins dem Pfandleiher Lippold, der ihnen für die zu noblen Passionen entliehenen Geldsummen hohe Zinsen abnahm, ״in tätlichem Hass gegenüberstanden 2)“, ist begreiflich. Aber auch die eigenen Glaubensbrüder sahen in Lippold ihren Feind. Es ist uns hierüber ein Denkmal erhalten, welches einen interessanten Einblick in die jüdischen Zustände jener Jahre gewährt und zugleich auf Lippolds Charakter bezeichnende Schlüsse zulässt, י) Aehnliche Steuern auf Luxus kommen auch später wieder vor. So verordnete König Friedrich I. im Jahre 1704, dass alle, die auf ihren Kleidern Gold oder Silber tragen, davon einen Taler bezahlen sollen. (Mylius a. a. O., IV, 3, S. 124). 2) Schwebel : a. a. O. S. 455.

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