Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 81

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 81)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3486266-3486279--2574-3488494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

2i weises vorliegt. Man hatte eben dem Juden gegenüber, zumal nach erfolgter Hinrichtung, jedes Gerechtigkeitsgefühl verloren und scheute nicht davor zurück, ihm Schandtat über Schandtat aufzubürden (Vgl. .Kap. 4). Die Verschwender haben niemals Geld und haben immer Geld. Auch Joachim II. war hierfür ein Beispiel. Er verschleuderte ungeheure Summen für Liebhabereien und für politische Unternehmungen grossen Stils, und doch litt er an fortwährender Geldnot. Einmal klagten sogar Gesandte, die er auf einen Reichstag geschickt hatte, sie wüssten nicht, wovon sie die nächsten Tage leben sollten1). Das Jahr 1564 scheint für die finanziellen Verhältnisse des Kurfürsten ein besonders kritisches gewesen zu sein. Der Aufwand des Hofes erfuhr eine bedeutende Vermehrung2), und unter den Helfern, die dem geldbedürftigen Kurfürsten gerade um diese Zeit ihre Dienste anboten (S. oben S. 12), werden auch Juden genannt3). In der Tat fand in diesem Jahre durch ein vom Tage Jacobi, d. i. dem 21. Juli datiertes Dekret eine Neuaufnahme von Juden in Berlin und anderen märkischen Orten statt. Auch hierbei hatte sicherlich Lippold seine Hand im Spiel. Er schaffte durch den Judentribut der Aufgenommenen dem Kurfürsten neue Mittel. Im Ganzen sind es 52 Juden, auf die sich das Dekret bezieht. Von ihnen werden 37 mit Namen aufgeführt, während der Rest allgemein mit ״sambt anderen fünfzehn Juden“ bezeichnet wird4). Auf Berlin kommen 9 Juden. An erster Stelle ist Lippold selbst genannt, dann sein Vater Judel und sein Bruder Pinkus. Es sind also die bisher bereits Ansässigen der Neuordnung halber mit aufgezählt. Weiterhin sind vertreten Frankfurt mit 9, Stendal mit 8, Salzwedel mit 3, Tangermünde mit 3, Rathenow mit 2, Neuruppin mit 2 und Gardelegen mit 2 Juden. Die Aufnahme dieser Juden mit ihren ״Gesellen, mit weib, kinden, eiden und gesinde“ erstreckt sich auf den Zeitraum von נ) Zimmermann: a. a. O., S. 289. 2) Vgl. Pauli: a. a. 0 , S. 167. 3) Ebenda. 4) Den Wortlaut des Dekrets, dessen Original, eine Pergamenturkunde, im kgl. geh. Staatsarchiv, Urkundensammlung, Band 11. liegt, geben wir in Beilage II.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.