Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 78)
- Language
- German
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18 Kostbarkeiten verschiedenster Art verschleudert. Besonders die Goldschmiede setzte er in Nahrung. 1556 erhält ״Hans Dominikus Goldschmidt״ sowie ״Schreck Goldschmidt12 ״ ungarische Taler, ״Joachim Wilken Goldschmidt״ für vier ״Kleinotte mit Edelgestein354 ״ Taler. ״Dem Kurfürsten für ein Kleinod 188 Thaler״ ,״dem Kurfürsten ein Handtstein mit Kruzifix״, diese und ähnliche Posten kehren auf Schritt und Tritt wieder. Dass hierbei auch die Kunst nicht zu kurz kam, zeigt ein Posten aus dem Jahre 1568, der sich auf ״drei gemalte Bilder״ bezieht, darstellend den ״König aus Frankreich, Du ca de Alba und Kaiser Maximilian״. Seiner Umgebung gegenüber war der Kurfürst die Freigebigkeit selbst. Einmal sind z. B. für Doctor Luther 16 Ellen Sammt zu einem ״Ehrenkleide״ verzeichnet, ein andermal gar 200 Taler an Doctor Luther zum Hauskauf. Ganze Seiten füllen in den Rechnungsbüchern Lippolds die Verzeichnisse der Stoffe und Zutaten, die bei Anfertigung von Gewändern für Leute des Hofes gebraucht wurden; mit besonderer Vorliebe löste der Kurfürst seinen Leuten versetzte Pfänder ein, so einmal dem ״Langen Baltzer״ Pfänder im Betrage von nicht weniger als 766 Talern. Alle diese Gelder und noch zahllose andere (häufig sind die Auszahlungen an die Kammerknechte und an die Münzergesellen) gingen durch Lippolds Hand. Er war über ihre Verwendung genau unterrichtet und führte gewissenhaft seine Bücher. Das Beispiel des Kurfürsten wirkte vorbildlich auf Adel und Bürgerschaft. ״Das kurfürstliche Schloss wurde ein Liebeshof und es muss wohl in den Frauengemächern ziemlich zuchtlos zugegangen sein, wenn Joachim sich veranlasst fand, eine Schlossordnung anzubefehlen, durch welche der Männerbesuch in den Frauengemächern, wenn auch nicht verboten, doch wenigstens erschwert wurde“ 1). Nicht minder fand der Luxus des Kurfürsten Nachahmung. Das Volk schärfte seinen Sinn für Prachtentfaltung. Wie muss es auf die Bürgerschaft gewirkt haben, als der Kurfürst im Jahre 1562 auf dem Zuge zur Königswähl nach Frankfurt am Main nicht weniger als 68 Grafen und Herren mit 452 Pferden, 11 Räte, 3 Theologen und einen Leibarzt 1l Streckfuss: a. a. 0, S. 91.