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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 76

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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16 genannt, mit denen der Kurfürst Umgang hatte und die durch Lippolds Vermittlung ihre Geschenke erhielten: die ״Wulffin“ und die ״Bandelin1)“. Lippold nimmt in seinen Büchern kein Blatt vor den Mund und lässt keinen Zweifel über den Zweck dieser Geschenke und über die Qualität jener Damen. 1564 verzeichnet er: ״der Wulffin, der H . . ein silbern Scheidt und ein Silbern beschiagk, Ein silbern Büchslein, güldene Hauben, ein vergülden Becher“, 1569: ״Der Bandelin 20 Thaler, 4 Ellen Sammt“ 2). Auch des Kurfürsten besondere Anhänglichkeit an die um 1559 3) geborene Tochter der Giesserin, Magdalena, spiegelt sich in Lippolds Rechnungen wieder. Diesem Kinde galt Joachims besondere Fürsorge. Schon 1561 lässt er den Kurprinzen Johann Georg zu Zechlin4) einen Revers unterschreiben, durch welchen die Person und das Vermögen der Anna Sydow sowie das ihrer Kinder gegen etwaige strafrechtliche oder zivilistische Ansprüche unter der folgenden Regierung sicher gestellt werden sollte5). Im Jahre da- 1i Die Beiden sollen nach einigen Historikern Töchter der Giesserin gewesen sein. Eine habe sich später an den kurfürstlichen Sekretär Bändel verheiratet, daher der Namen Bandelin. Vgl. Möhsen: a. a- O. II, S. 519. Zimmermann: a. a O. S. 220f. Irgendwelche Beweise hiefür werden jedoch nicht erbracht. Lippolds Bücher ergeben keinerlei Anhalt für das Bestehen dieses Verwandtschaftsverhältnisses. Man hat wohl mit Holtze: Märk. Forsch.: XX., S. 202, Note 15 in der Bandelin eine Kurtisane zu sehen, die die Giesserin in den letzten Jahren aus der Gunst des Kurfürsten verdrängt hatte und die nach einigen Quellen auch in der Todes׳ nacht am Lager des Kurfürsten war (s. weiter). Creusing nennt die Bandelin die Hauptkonkubine des Kurfürsten (Sehr. d. V. f. Gesch d. St. B., Heft 23, S. 167.) *) Lippolds ungeschminkte Ausdrucksweise mutet uns heute wohl krasser an, als es dem Charakter jener Zeit entsprach. Es tönt aus seinen Notizen eine leise Kritik des Kurfürsten und seines Gebarens heraus. Wenn aber Schwebe!: Geschichte der St. Berlin I, S. 461 meint, Lippold habe »in Verachtung der GojinT* die Dinge stets beim rechten Namen genannt, so entspricht diese in echt antisemitischer Weise verallgemeinernde Auffassung den auch sonst in seinem Buche deutlich erkennbaren schriftstellerischen Neigungen des geistlichen Autors, auf die wir noch öfter zurückzukommen Gelegenheit haben werden. *) Vgl. über das Geburtsjahr Holtze: Märk. Forsch. XX, S. 173. 4} Die Residenz des Kurprinzen. 5) Vgl. Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis, Supplement׳ band, S. 179.

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