Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 75)
- Language
- German
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15 das Liebcsgeheimnis des Kurfürsten war Lippold eingeweiht, zuerst vielleicht als Einziger. Er hatte aus den Judengeldern, die er einzog, neben den bereits erwähnten Dingen vor allem auch die Douceurs an des Kurfürsten Maitresse auszuzahlen. Zum ersten Mal erscheint ein solcher Posten im Jahre 15581). ״Frau Anna 4 ungarische Groschen“, ״Frau Anna 40 Thaler“, 1559 noch einmal ״Frau Anna 40 Thaler“. In den 60er Jahren begann die Glanzzeit der Giesserin. Lippold verzeichnet immer zahlreichere Posten für die fürstliche Geliebte. 1569 stehen neben einander die beiden Posten: ״Chf. Gn. in der Giesserin Haus geben zum Spiell 20 Th.“ und: ״die ander Nacht wider in der Gi esserin Haus gehen 10 Th.“ Ungescheut lag der Kurfürst seinen Passionen ob, und es beschleicht uns ein Gefühl des Mitleids, wenn die Kurfürstin Hedwig dem Herzog von Preussen klagt, dass Joachim selbst den Schein ehelicher Treue nicht mehr bewahre und öffentliches Aergernis gebe2). War doch Anna Sydow nicht die einzige Kurtisane des Kurfürsten geblieben. Es werden neben ihr noch zwei Frauen 1j Holtze: Mark. Forsch., XX, S. 173 gibt denn auch dieses Jahr als das früheste für die Verbindung Joachims mit der Giesserin an. Warum Holtze es aber als unbeweisbar erklärt, dass der Kurfürst sein Verhältnis mit der Giesserin noch bei Lebzeiten ihres Ehemannes begonnen habe, scheint unverständlich. Das Gegenteil ist ebenso unbeweisbar. Denn, wenn Nikolans Dieterich 1556 noch lebte und 1561 erst verstorben ist, so ist die Möglichkeit immerhin gegeben, dass der Kurfürst selbst vor einem zwiefachen Ehebruch nicht zurückgeschreckt war. War doch bereits 1558, spätestens 1559, dem Veihältnis Joachims zu der Giesserin ein Kind entsprossen: jene Magdalena, die Joachim so ausserordentlich begünstigte (s. nächste Seite). 2) Vgl. Droysen: Preussische Politik II., S. 450, Zeitschrift für Ge- Schichtswissenschaft II, S. 251. — Anna Sydow scheint übrigens, ebenso wie Lippold, Pfandgeschäfte getrieben zu haben. In St.-A. liegt ein Schriftstück, in welchem der Apotheker Jacob Schulz berichtet, seine Frau habe bei der Giesserin einen kostbaren Gürtel versetztfür zehn Gulden. Die Giesserin wollte den Gürtel kaufen. Da Schulz aber selbst eine erwachsene Tochter hat, will er den Gürtel nicht hergeben. Die Giesserin versetzte den Gürtel bei Lippold weiter, da sie ihr Geld nicht bekam. Lippold aber leugnet den Besitz des Gürtels. Schulz bittet nun die Behörde, ״den ehrlosen Juden zu fragen, warum er den Gürtel ver״ leugnet und wo er ihn hingethan“.