Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 73)
- Language
- German
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18 Kurfürsten, der nicht allein Schlösser haute und Maitressen hielt, sondern auch für die Hebung des Volksunterriehts durch wesentliehe Reformen wirkte, sicher nicht nur als Kämmerer, sondern auch als Mensch lieb und wert gewesen sei. Ganz besonders intim wurden die Beziehungen Lippolds zum Kurfürsten ohne Zweifel durch Joachims galante Passionen. Es ist dies ein Kapitel, das in der Geschichte des Kurfürsten eine grosse Rolle spielt1) und von den Historikern die verschiedenste Beurteilung erfahren hat. Den Ausgangspunkt dieses Kapitels bildet ein schwerer Unglücksfall, welcher sich 1549 2) im Jagdschlosse zu Grimnitz in der Schorfheide ereignete. Als der Kurfürst mit seiner Gemahlin, Hedwig von Polen, sich im oberen Gemache des Schlosses ein wenig erging, brach plötzlich der morsche Fussboden durch und beide stürzten in das untere Gemach hinab. Der Kurfürst blieb unversehrt. Die Kurfürstin aber trug eine schwere Verletzung am Unterleib davon, die ein langes Krankenlager zur Folge hatte. Aerztliche Behandlung hatte die Kurfürstin aus Schamhaftigkeit abgelehnt. So trat allmählich zwischen den Ehegatten eine dauernde Entfremdung ein, die doppelt erklärlich wird, wenn man bedenkt, dass der Kurfürst nach dem Tode seiner ersten Gattin Magdalena von Sachsen sich zu dem zweiten Ehebündnisse mit der polnischen Prinzessin vorwiegend aus Gründen der Staatsraison entschlossen hatte. Das Siechtum der Gattin wurde für den Kurfürsten der Anlass, den Umgang anderer Frauen zu suchen, von denen die einflussreichste die unter dem Namen ״schöne Giesserin“ bekannte Anna Sydow geworden ist. Diese, die älteste Tochter eines Andreas Sydow, welchem die Hofgunst später einträgliche Aemter und stattliche Besitztümer verschafftes), hatte sich mit dem nach Berlin eingewanderten Lothringer Nikolaus *) In ganz unglaublicher Weise wird das illegitime Liebesieben Joachims 11. verspottet in dem gepfefferten, in vier Auflagen erschienenen Pamphlet: ״Lustige Thaten und Ebenteuer des alten Klosterbruders Hannes von Lehnin aus Pater Petri Papieren von A. D. 158914 (4. Aull, durch Dr. K. L. in Bern erschienen). 2) Nach Holtze: Schriften des Vereins für Geschichte der Stadt Berlin, Heft 32, S. 71 Anm. 29 fand der Unglücksfall am 7. Januar des Jahres 155J statt- Sonst findet sich überall das Jahr 1549 angegeben. 8) Vgl Holtze: Märkische Forschungen, XX, S. 197, Note 9.