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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 72

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 72)
Language
German
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12 Kyrsten, ein Matthias, ein Assemus den Stein der Weisen suchten. Die Materialien hierzu, besonders Kohlen und Gläser, hatte Lippold aus seinen Geldern zu bezahlen. Zuweilen ergingen auch an die Künstler wohl Extraspenden, wie an den böhmischen Doktor Alchemist, der 1556 ein Paar Pferde bekam. Die brotlose Kunst blieb ohne Erfolg. Die Alchymisten speisten den Kurfürsten mit leerer Hoffnung ab. Lippold aber schaffte ihm greifbaren Erfolg in blankem Golde1). Dies musste für den Kurfürsten um so wohltuender sein, als er auch sonst bei seinen allerdings oft allzu abenteuerlichen Finanzplänen mancherlei Enttäuschung erfuhr. In seiner Leichtgläubigkeit schenkte er notorischen Betrügern, die ihm Hoffnung machten, williges Gehör. So wollte ein Italiener in der Nähe von Beelitz Salz werke anlegen. In Wirklichkeit hatte er es nur auf den Vorschuss abgesehen; denn kaum hatte er diesen in Händen, so verschwand er. Ein anderer riet zum Perlenfang in den brandenburgischen Seen. Ein Dritter gar erbot sich allen Ernstes, die unreife Ernte zur Reife zu bringen 2). Von all diesen Enttäuschungen kehrte der Kurfürst immer wieder zu Lippold zurück. Immer vertraulicher wurde seine Stellung. Er gehört bald zur ständigen Umgebung des Kurfürsten. Als dieser 1564 in Lehnin weilt, verschreibt er Lippold zu sich, und auch auf Schloss Grimnitz ist Lippold häufig zu finden. Einmal hat er dorthin 15 Pfund Zucker gebracht. Die Rechnungsbücher weisen stets die ״Zehrungsgelder“ auf, die Lippold bei diesen Reisen verbrauchte. Sicherlich versah Lippold bald auch die Dienste eines Kämmerers. Wenn aus der Tatsache, dass Lippold dem Kurfürsten in der Todesnacht im Schlosse zu Köpenick einen Becher Weins gereicht hat, später die Beschuldigung des Giftmordes konstruiert wird — und Lippold hat jene Tatsache nicht bestritten — so sehen wir in Lippold geradezu den Kammerdiener, der zu den intimsten Hilfeleistungen herangezogen wurde. Er muss in seinem Wesen etwas gehabt haben, was dem Kurfürsten Vertrauen einflösste, und Hesslein hat wohl Recht, wenn er meint3), dass Lippold dem l) Vgl. Hesslein: Berlins berühmte und berüchtigte Häuser, 2. Auf!., Berlin 1881, I, S. 520. 8) Vgl. GundÜng: Leben des Kanzlers Distelmeyer, S. 302, Pauli: a. a. O., S. 167. *) a. a. O., S. 521.

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