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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 71

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
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ii eine Art Finanzjude die Beschaffung von Geldern ä tont prix ober• nommen hatte und dass zu diesem Amt ein gewisses Yerfügungsrecht und eine gewisse Autorität unumgänglich nötig war. Es ist aber dennoch klar, dass Lippold mit den von ihm dem Kurfürsten vorgeschlagenen Bestimmungen des Erlasses ein Mass persönlicher Macht erstrebte, das über die Erfordernisse seines Amtes hinausging, und nur dazu dienen sollte, ihm eine einflussreiche Stellung zu schaffen und diese Stellung auf jede mögliche Weise zu stutzen. Wir sehen in Lippold den Typus eines Emporkömmlings. Als armer Bursche eingewandert, von der Hoffnung beseelt, in der geldbedürftigen Residenz des brandenburgischen Herrschers seine Nahrung zu finden, war es ihm geglückt, sich dem Kurfürsten nützlich, ja unentbehrlich zu machen. Aber nicht zufrieden mit der Rolle eines einfachen Geldbeschaffers, wollte er selbst eine Art Herrscheramt ausüben und da bot sich am natürlichsten das Aufseheramt über die märkischen Juden, welches er sich, wie man sieht, auf gründliche Weise zu erringen wusste. Mit diesem Amt hatte Lippold in der Mark erst festen Fuss gefasst. Zugleich aber trat Lippold auch der Person des Kurfürsten näher. Er versah vom Jahre 1556 an das Amt des Schatullen- Verwalters, in der Weise, dass er über die von den Juden an Tribut und Strafen vereinnahmten Gelder nach Anweisung des Kurfürsten verfügte. Es waren nur ganz bestimmte, die privaten Neigungen des Kurfürsten betreffende Zwecke, für die Lippold seine Zahlungen zu bewirken hatte. In den ersten Jahren kehren nach Ausweis der 1556 beginnenden Rechnungsbücher1) besonders häufig die Geldausgaben für die alchymistischen Liebhabereien des Kurfürsten wieder. Die Kunst des Goldmachens, die im Mittelalter eine so grosse Rolle spielte, musste für Joachim II. bei seinen ewigen Finanznöten einen ganz besonderen Reiz haben 2). So hatte er im ״grauen Kloster“ ein alchymistisches Laboratorium eingerichtet, in welchem verschiedene Personen, wie ein Baltzer, ein Doctor Pothner, ein Hauptmann von Klitzing, ein Lorenz, ein Jannar, ein *) Die Rechnungsbücher (St.״A.) tragen folgende Uebefschritt: ״Ver- Zeichnung Churf. gn., was Ich Leipoldt Jud von« wegen Ihr Churf. gn. habe müssen geben“. 2) Vgl. Zimmermann: a. a. O. S. 225.

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