Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
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8 dem in finanziellen Nöten befindlichen Landesherrn Kapitalien zu schaffen. Bei dieser Gelegenheit kam Lippold mit dem Kurfürsten persönlich in Berührung und wusste sich ihm durch sein treues Wesen zu empfehlen. Jedenfalls muss der Kurfürst mehrere Jahre hindurch die Treue und Brauchbarkeit Lippolds erfahren haben *), bevor er sich im Jahre 1556 entschloss, ihn durch feierlichen Erlass zum Obersten aller märkischen Juden zu ernennen und ihm eine Fülle besonderer Rechte und ein grosses Mass von Macht- Vollkommenheit zuzusprechen* 2). Joachim II. war nach dem übereinstimmenden Urteil aller Geschichtsschreiber ein schwacher, schwankender Charakter, von grosser Gutmütigkeit und Vertrauensseligkeit, und besonders wird von ihm hervorgehoben, dass er denen, die ihm nahe standen, nicht leicht eine Bitte abschlug 3). Hofbeamten angesehen seien. Es scheint also, als ob Lippold in Berlin neben seinen übrigen Tätigkeiten auch die eines Heiratsvermittlers betrieb. ג) Friedländer: Allgemeine deutsche Biographie, XVIII, S. 737 trifft wohl das Richtige, wenn er annimmt, dass Lippold um das Jahr 1550 in die Mark gekommen sei. ״In die zwanzig Jahr‘* schreibt Lippolds Witwe, habe ihr Mann dem Kurfürsten gedient (siehe Beilage VIII). Diese Angabe führt in der Tat den Anfang von Lippolds Wirksamkeit etwa in das Jahr 1550. 2) Den Wortlaut des Erlasses siehe Beilage I. Das Original liegt im kgl. geh. Staatsarchiv Urkundensammlung, Band II; eine Abschrift befindet sich in St׳A. (Rep. 21 Nr. 202). Auf deren Rückseite hatte Lippold die hebräisch-deutschen Worte geschrieben: ״ בהא• ענין מיין רשותHier drinen ist meine Bestallung enthalten*‘. Es war dies also die ihm offiziell zugestellte Abschrift. s) Vgl. Pauli a. a. O. S. 197. Besonders bezeichnend ist die Tatsache, dass Joachim II. häufig ein Amt mehreren Personen versprach, weil er nicht imstande war, Jemanden eine Bitte abzuschlagen. Gegeben hat er es nachher dem ersten besten, die anderen aber hielt er durch grosse Summen schadlos. So kostete ihn das ״Lehen der Ausgestorbenen** zu Ziesar nicht weniger als 50000 Taler. Vgl. Möhsen: Geschichte der Wissenschäften in der Mark Brandenburg, II, 475. Die Freigebigkeit und Zutraulichkeit des Kurfürsten charakterisiert der Chronist Cornerus (Oratio de vita et obitu illustrissimi principis ac domini Joachimi secundi, Frankfurt a. d. Oder 1571) folgendermassen: Amanter observabat eos et benigniter tractabat et invitissime a se dimittebat, in quibus aliquid ingenii, doctrinae et probitatis animadvertebat multis annis cognitam׳ et exploratam habebat et cum quibus ab ineunte aetate vixerat. Creusing in seiner märkischen Fürstenchronik sagt von Joachim II.: ״Es ist s. Churf. Gn. allzumilde gewehsen und so viel verschenkt, dass Sie ärmer als etzliche Diener gewehst, hat viel