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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 66

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 66)
Language
German
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6 hierin vorging und wie er sogar nicht davor zurückscheute, die Christen gegen die Juden auszuspielen, das zeigt ein von Kohut mitgeteiltes Schreiben des Kurfürsten an den Eat der Stadt Frankfurt, in welchem er auf die gegen die Juden erhobenen Klagen erwidert, ״mit Ver s ch 1 ech t er ung der Münze, wucherischem Handel und anderen Unziemlichkeiten seien die Christen bereits der J u d e n Me i s t e r , soweit, dass die Israelit en, diees nicht so im Grossen treiben können, nur als Schüler zu erachten seien1״). Ihren Höhepunkt aber erreichte die Judenfreundschaft Joachims II. in zwei Männern jüdischen Glaubens, die von dem Kurfürsten uneingeschränkte Begünstigung erfuhren. Der eine von ihnen ist jener Michael Juda, um dessen Person sich ein ganzer Sagenkreis gebildet hat2), von dem aber feststeht, dass er der einzige Jude war, der in Berlin ein Haus besitzen durfte — es lag in der Klosterstrasse — und dass seinem Einfluss und seinem Ansehen viele märkische Juden ihre Schutzprivilegien verdankten3). Der andere ist Lippold. *) Kohut: Gesch. d. deutsch. Juden, S. 541, nach einem im Besitze des Frankfurter ״Vereins für jüdische Geschichte und Literatur“ befindlichen Manuscript, welches von dem Pfarrer Fritz Büchner verfasst und von dessen Verwandten F. X. Sobel vervollständigt wurde. 2) Die märkischen Chronisten nennen ihn einen verkappten Ritter, der aus Süddeutschland eingewandert sei. Sogar der Grafentitel wird ihm beigelegt. 3) Näheres über ihn vgl. an folgenden Stellen: ״Die Gegenwart“, Berliner Wochenschrift für jüdische Angelegenheiten, Nr. 22 und 25; Gustav Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit, I, S. 191; Schudt: Jüdische Merkwürdigkeiten. IV, S. 191; Boysen: Historisches Magazin, V, S. 45; von Langen: Moritz, Herzog von Sachsen, II, S. 364; Monatschr. für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (herausgegeben von Frankel-Graetz), 1861, S. 239, 1865, S. 425, 1867, S. 387; Ztschr. f. Gesch. d. Juden in Deutschi., II, S. 340 f. — Neuere Forschungen, von Lewinsky angestellt, ergeben die Identitat des von Joachim II. begünstigten Michael Juda mit dem aus Derenburg bei Halberstadt stammenden Juden Michel, dessen hervorragende Landsknechtstaten bereits im Jahrg. 1857 der ״Ztschr. f. deutsche Kulturgesch. im Mittelalter*, van .Karl Seyffardt behandelt werden. Später wurde Michel seiner grossen Gewandtheit wegen vom Herzog Erich von Braunschweig-Kahlenberg zum ״Finanzrat“ gemacht, und in den Vierziger Jahren ist er in Berlin und Frankfurt a. d. O. zu finden. Uebrigens haben wir eine Monographie über die Gestalt Michels aus der Feder des Archivrats Dr. Jacobs in Wernigerode zu erwarten.

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