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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 65

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 65)
Language
German
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5 günstigt haben. Nur so ist eine dringende Warnung zu verstehen, welche kein Geringerer als Martin Luther am 9. März 1545 an den Kurfürsten richtete. Der grosse Reformator, dessen Gesinuung gegen die Juden eine mannigfache Wandlung dnrchgemacht hatx), spricht in diesem Briefe die Besorgnis aus, dass die Juden einmal an dem Kurfürsten ״ihre jüdische Tücke“ beweisen könnten. Luther war zwar über das unerschütterliche Vertrauen, welches der Kurfürst in die Juden setzte, so genau unterrichtet, dass er von der Aussichtslosigkeit seiner Warnung überzeugt ist; er bittet aber doch zu Gott, dass er den Kurfürsten ״gnädiglich“ vor den Juden behüten möge. Unverständlicher Weise warnt Luther den Kurfürsten besonders vor der ״Alchymey“ der Juden. Er war also wohl über das Treiben der Jaden, denen die abergläubischen Künste der Alchemie fernlagen, nur oberflächlich unterrichtet. In der Umgebung des Kurfürsten war es besonders der Probst Buchholzer, der gegen die Juden hetzte. Luther lobt ihn deshalb und erzählt, er habe Bucbholzer ״dazu gestärkt, dass er auf der Bahn bleiben solle“ * 1 2). Neben Luther war es auch der Rat von Berlin, der den steigenden Einfluss der Juden beklagte 3). Ja sogar die Stände machten die Vertreibung der Juden einmal zur Bedingung ihrer finanziellen Hülfe4). Allein der Kurfürst wusste die Ertragsfähigkeit der Juden hoch genug einzuschätzen, um all diesen Einflüssen stand zu halten. Er liess sich nicht irre machen und unterstützte die Ansiedelung von Juden. Wie rigoros er genannt, Zimmermann: Die Mark Brandenburg unter Joachim 1 und 11., Wessely: Berlin von der ältesten bis auf die neueste Zeit, 1, S. 115, Streckfuss: 500 Jahre Berliner Geschichte, 1, S. 90. 1j Vgl. L. Geiger in A. Geigers Zeitschrift für Wissenschaft und Leben V, S. 23 ff. 2) Der Brief Luthers, dessen Original sich in der Kirchenbibliothek zu Landshut in Schlesien befindet, ist mitgeteilt von Berner: Geschichte des preussischen Staates S. 100 ff. — Luther kommt auch sonst in seinen Briefen auf die Juden in der Mark mit scharfen Worten zu sprechen. Vgl. de Wette: Luthers Briefe, V, S. 629: Judaei perditi in ea regnant apud Marchionem propter pecuniam. Recipiuntur etiam Pragae a Ferdinando eadem causa. Vgl. auch ״Allg. Ztg. d. Judent.“ 1906, S. 392. 3) Zimmermann a. a. O. S. 303. 4) Ebenda. ״

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