Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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4 Märtyrer an 1). Die Konstatierung des Justizmordes — ein Vordienst Philipp Melanchthons — machte auf Joachim II. einen so tiefen Eindruck, dass er in dem Bestreben, den entsetzliehen Irrtum des Vaters wieder gut zu machen, den Glaubensbriidern der schuldlos Gemordeten seine Gunst zuwandte und ihnen die Grenzen des Landes wieder öffnete 2). Mit diesem idealen Anlass ging aber sicherlich auch ein sehr praktischer Hand in Hand: der finanzpolitische. Joachim II. zeigte sich bald nach seinem Regierungsantritt in derjenigen Natur, die ihm sein Leben lang treu geblieben ist, der eines prachtliebenden und genusssüchtigen Fürsten. Grossartige Bauten, unter anderen die eines Zeughauses, die Instandsetzung verfallener märkischer Schlösser, die Anlegung von Kanälen, die Gründung der Festung zu Spandau und ähnliches erforderte grosse Summen. Aussergewohnliche Veranstaltungen wie Tiergefechte von Löwen, Bären und anderen ausländischen Tieren, welche sich der Kurfürst im Tiergarten hielt, Wettrennen, für die der Kurfürst Preise aussetzte, fielen schon in die ersten Regierungsjahre Joachims H. und erforderten den Aufwand immer reicherer Mittel3). Schon fünf Jahre nach Joachims Regierungsantritt, 1540, sahen sich die Stände gezwungen, eine Schuld von 700000 Reichstalern, das sind etwa eine Million Gulden, auf sich zu nehmen4). Was Wunder, dass sich der Kurfürst nach neuen Einnahmequellen umsah5). Die ergiebigste unter ihnen aber war die Wiederauf־ nähme der Juden; das Schutzgeld, gegen dessen Zahlung ihnen die Rückkehr in die Mark gestattet wurde, betrug 42 000 Taler6). Der Kurfürst muss die Juden auf manche Weise be- נ) Vgl. hierüber Näheres ebenda S. 56 und ״Allg. Zeitung des Judentums“ 1907, S. 105. *) Es war der unermüdliche Josel von Rosheim, der beim Kurfürsten für seine Glauben^brüder die Erlaubnis erwirkte, in seinem Lande »zu handeln und zu wandeln, das uns nun 30 jar verpoten und versperret gewesen“. Vgl. Feilchenfeld: Josel von Rosheim, S. 181. Vgl. Pauli: Allgemeine preussische Staatsgeschichte, 111, S. 82. 4) Vgl. Isaacsohn in der Zeitschrift für preussische Geschichte und Landeskunde, 1879, S. 455. 5j Unter anderem legte der Kurfürst zur Erschliessung neuer Einkünfte einen Elbzoll zu Lenzen in der Priegnitz an, vgl. Pauli a. a. 0. *) Die Summe wird von verschiedenen Historikern ohne Quellenangabe