Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- VII. 1909 - 5670 (1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
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3 wird, einer Würdigung der Sclmldmomentej'und einer Kritik des Prozessverfahrens — wenn man es so nennen darf — sowie der Beurteilungen, die Lippold erfahren hat, gänzlich aus dem Wege zu gehen. 2, Stellung und Charakter. Im Jahre 1510 wurden sämtliche Juden aus der Mark Braudenburg vertrieben, nachdem jene achtunddreissig Unglücklichen, die auf Grund der Folter überführt waren, an einer Hostien- Schändung teilgenommen zu haben, den Tod in den Flammen des Scheiterhaufens gefunden hatten 1). Kurfürst Joachim I., der den grausamen Justizmord ruhig hatte geschehen lassen, scheint denn auch die Mark Brandenburg während des Restes seiner Regierungszeit von Juden frei gehalten zu haben. Als aber nach seinem Tode (1535) sein Sohn Joachim H. den kurfürstlichen Thron hestieg, trat bald eine Aenderung ein. Und diese Aenderung knüpft ganz offenbar an die auf dem ״Frankfurter Tag“ des Jahres 1533 erfolgte Aufdeckung der Schuldlosigkeit jener achtunddreissig genauer. Bezeichnung des Empfängers, meist auch des Zweckes, eintrug. Ich bezeichne alle aus diesem Konvolut stammenden Nachrichten mit St-A. b. Zwei Urkunden im kgl. geh« Staatsarchiv, Urkundensammlung Band II, betreffend Lippolds Bestellung zum Judenobersten und die Neuaufnahme von Juden in die Mark. c- Zwei Urkunden im kgl. Hausarchiv zu Charlottenburg, K• 116 F. G., deren eine, die ״Urgicht“, die kurz vor der Hinrichtung gemachten Aussagen Lippolds enthält (im Folgenden mit H.-A. bezeichnet). d. Einige auf Lippold bezügliche Zivilprozessurkunden im Archiv. des kgl. Amtsgerichts zu ß r a n d e n b u r g a. H., mitgeteilt von Stolzei ’ Urkundliches Material aus dem Brandenburger Schöppenstuhl 1, Nr. 250 und Nr. 325. e. Ein in der herzogl. Hofbibliothek zu W.olfenbüttel liegendes Schreiben des Spandauer Hauptmannes Zacharias Röbel an den Herzog Julius von Braunschweig, datiert vom 24. Januar 1573, mitgeteilt von Bodemann in der Zeitschrift des historischen Vereins für Niedersachsen, 1886» S 329 f. (im Folgenden mit W.-A. bezeichnet). f. Eine zeitgenössische Eintragung in die, mit dem Jahre 1566 beginnende handschriftliche Chronik des Stadtarchiv zu Brandenburg a. H* (Codex N 5), von dem Verfasser dieser Arbeit mitgeteilt in der ״Allgem. Zeitung des Judentums“, 1907, S. 106f. (im folgenden mit B.-A. bezeichnet). Die wichtigsten Urkunden gebe ich im Anhang im Wortlaut wieder. Vgl. Ackermann: Geschichte der Juden in Brandenburg a. H., S 59f*