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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1910-01-01 · VII. 1909 - 5670 (1910) · page 62

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
VII. 1909 - 5670 (1910)
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 62)
Language
German
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2 Leibärzte z. B., von denen die mittelalterliche Geschichte erzählt, dankten ihre Aemter sicherlich rieht allein ihrer beruflichen Tüchtigkeit, sondern in ebenso hohem Grade ihrem Charakter, durch den sie sich das Vertrauen der Menschen errangen. Und auch jene mannigfachen Erscheinungen des Mittelalters, die man Hofjuden oder F in anz j ud e n nennt, sind aus der blossen Tatsache ihrer diplomatischen und finanziellen Geschicklichkeit nur unvollkommen zu erklären. Eine mindestens ebenso grosse Rolle spielte bei diesen Persönlichkeiten eben jener Zug treuer Hingebung, der den Mächtigen ihre Dienste so besonders wertvoll machte. Eine dieser Gestalten ist es, mit der sich die vorliegende Arbeit beschäftigt: die Gestalt des brandenburgischen ״Münzmeisters“ Lippold, der unter der Anklage, den Kurfürsten Joachim II. ermordet zu haben, einen grausamen Tod erleiden musste. Es soll mit dieser Arbeit nicht etwa, wie leicht vermutet werden könnte, eine sogenannte ״Rettung“ Lippolds versucht werden. Die historische Gerechtigkeit hat die Unschuld Lippolds an dem ihn! zur Last gelegten Verbrechen längst erwiesen. Und im Übrigen ist an Lippold schon deshalb nicht viel zu retten, weil sein Charakter eine Anzahl hässlicher Züge aufweist, die nicht weggeleugnet werden können, die aber aus der Geschichte Lippolds ihre psychologische Erklärung finden. Diese Geschichte Lippolds, die eigentümliche Stellung, die er einnahm, sein Charakter, sein Prozess und sein grauenhaftes Ende sollen hier auf dem Fundamente der uns erhaltenen urkundlichen Quellen1) eine objektive Darstellung erfahren, wobei es jedoch unmöglich sein *) Das urkundliche Material, welches zu Grunde gelegt wurde, ist folgendes: a. Ein Konvolut Urkunden im kgl. geh. Staatsarchiv zu Berlin, Repositorium 21, Nr. 202, enthaltend einen Teil der Prozessakten und andere auf Lippold bezügliche Schriftstücke, in besonders grosser Zahl die Bitt- Schriften, die nach Lippolds Verhaftung von Berliner Bürgern an den Kurfürsten gerichtet wurden, um die Erstattung der von Lippold bei ihnen gemachten Schulden zu erzielen. Von besonderem Werte, namentlich für die Beurteilung eines bestimmten Tätigkeitszweiges, dem Lippold oblag, sind die gleichfalls in diesem Konvolut auf bewahrten Rechnungsbücher, in welche Lippold von Beginn seiner Tätigkeit bis zu seiner Verhaftung, 1556—1571, jeden einzelnen Posten der von ihm verausgabten Gelder mit

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