Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 446

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 446)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3486266-3486275--2038-3488401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

373 sichtlich der Thora und ihrer Gebote während des ganzen Be- Standes des ersten Tempels. Wir erkennen auch daraus die allgemeine und wichtige Tatsache, dass schon in jenen alten Tagen das gesamte Volk nicht nur die Thora übte, sondern dass damals schon sich um die Thora Umhegungen befanden, dass man Bräuche besass, die dazu dienten, die Heiligung des Thoralebens zu erhöhen, und dass man die Verordnungen der Gelehrten beobachtete. Das ganze Volk beobachtete diese Gesetze, trotzdem ihr Ursprung nicht in der Thora wurzelte und sie als Ver- Ordnungen der Gelehrten galten. Es war ein Irrtum, wenn man glaubte, dass während der Zeit des ganzen ersten Tempels die Thora und das Leben nach ihr in Trümmern lag, und wenn man dadurch sich veranlasst sah, die ganze Tradition zu leugnen. Nein, nie hat dieses Glück Israel gefehlt, wie wir es in den früheren Teilen noch dartun werden; alle Gebote wurden nach Inhalt und Form vom grössten Teil des Volkes geübt. Das ganze Wesen unserer Gottesgebote und die Art ihrer Betätigung hat nichts mit den Männern der grossen Versammlung zu tun. Es war ein Irrtum, wenn man, christlichen Gelehrten folgend, alles den Männern der grossen Versammlung, den späteren Gelehrten oder gar den Tannaim zuschrieb, je nach den verschiedenen Methoden, die man wählte, und dadurch unsere Nation herabsetzte und unser Wesen verleugnete. Das sah schon Weiss, der selbst folgendes ausführt: ״Aus den Propheten geht hervor, dass man den Neumond feierte; schon zur Zeit Elischas pflegten die Besseren des Volkes zum Propheten zu gehn, um Gott am Neumond wie am Sabbath zu suchen (H. Könige 5, 23). Das beweist uns, dass es ein Buhetag war . . . und nicht nur, dass der Neumondstag in der Beziehung ein Fest war, dass man an ihm besonderen Gottesdienst (Mussaphopfer) hatte, sondern man enthielt sich auch an ihm der Arbeit; denn man nannte den Tag vor dem Neumond im Gegensatz zu dem Neumondstage, dem Buhetage, Tag der Arbeit und man enthielt sich am Neumondstage der geschäftliehen Tätigkeit. Aus alldem sehen wir klar, dass man am Neumond wie am Festtage ruhte“. Wenn das sich aber so verhält, so können wir daraus entnehmen, wie sehr man damals alle Gottesgebote im allgemeinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.