Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 415)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--2007-3488370- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Ganz anders lagen die Verhältnisse im Occident, wo eine alte, ununterbrochene Tradition, wie wir sie in Palästina und Babylonien finden, gänzlich fehlte und die rabbinischen Schulen, falls solche existierten, jedenfalls während dieser Periode keine hohe Bedeutung erlangten. Hier musste das Fehlen eines authentischen Gebetbuches störend empfunden werden und sich das Bedürfnis nach einem solchen mit zunehmender Kultur mehr und mehr fühlbar machen. Wir können daher leicht verstehen, dass die während der gaonäischen Epoche im Westen sich bildenden neuen Centren des Judentums den Anlass zur ersten schriftlichen Fixierung der Gebetordnung gaben. Nachdem man über zahlreiche liturgische Einzelheiten während mehrerer Generationen bei den Gaonen sich Auskunft geholt hatte, entschloss man sich schliesslich, um allen Zweifeln ein für allemal ein Ende zu machen, um eine vollständige, authentische Gebetordnung zu bitten. So entstand der älteste uns bekannte Siddur, der desGaon Amram2), wie uns seine Einleitung ausdrücklich belehrt, auf eine Anfrage aus dem Auslande — durch Abraham ben David3) wissen wir, dass es Spanien war — hin. Der bald darauf von Saadia4) compilierte Siddur verdankte vermutlich dem Wunsche 2) Gaon in Sura 856 (nach der zuverlässigsten, auf gründlichsten For״ schungen beruhenden Gaonen׳Liste A. Epsteins in Jewish Encyclopedia V 571, der ich auch weiterhin folge). Ich citiere den Siddur R. Amrams im folgenden als S. A. mit Angabe der Blattzahl der Ausgabe; die darauf häufig folgenden kleineren Zahlen geben die Zeilenzahl. Die in der hebräischen Abteilung veröffentlichten הוספות ותקונים לסדר רב עמרם גאון, die weiterhin als Mach״ träge bezeichnet sind, citiere ich meistens gleichfalls nach der Blattzahl der Ausgabe (im folgenden Ed.), schliesse aber die Zahlen in eckige Klammern ein. S. A. f. [2a] verweist also auf die Nachträge zu dieser Stelle. Ich verwende ausserdem noch die folgenden Abkürzungen: S für Codex Sulz״ b erg er des New-Yorker Rabbiner״Seminars, O für Codex Oxford 1095; G für die G e n i z a h s. Oxford 2736 K. Die H s s (im Gegensatz zur Ed.) bezieht sich auf S und O. 8) .שפר הקבלי ed. Neubauer (liediaeval Jewish Chronicles I Oxford 1887) p. 65 תפלות לספרד hv והוא שלה סד1ר. 4) 892—942. Gaon in Sura seit 928. Lieber seinen Siddur vgl. J. Bondi (im Rechenschaftsbericht der J. L. G., Frankfurt a M. 1904), dessen Ausgabe hoffentlich nicht mehr allzulange auf sich warten lässt. Für diese wären wohl auch die von E. N. A d 1 e r im J. Q- R. X 604—623 beschrie״ benen persischen Rituale zu verwerten, die sich ausdrücklich auf Saadia