Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 414)
- Language
- German
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Untersuchungen zumSiddurdesGaon R.Amram. Von Professor Alexander Marx in New-York. I. Die handschriftliche Ueberlieferung* *). Es ist eine auf den ersten Blick höchst auffällige Erscheinung, dass man erst in der Mitte des gaonäischen Zeitalters daran ging, die Ordnung der täglichen Gebete niederzuschreiben. Der Grund dafür liegt natürlich in dem bekannten, schon in der Tosefta citierten1) Verbote der Niederschreibung von Segens- Sprüchen. Während der Drang der Verhältnisse und die Ueberlastung des Gedächtnisses zur Ausserkraftsetzung des gleichen Verbotes für den ganzen Umfang der mündlichen Lehre zwang und damit wohl auch für die schriftliche Fixierung der Liturgie ein unüberwindliches Hindernis nicht mehr vorlag, gab es doch wohl hier keine so dringenden Ursachen, von der alten Praxis abzugehen. Die Gebete waren der Mehrzahl der jüdischen Bewohner Babyloniens vermutlich vollkommen geläufig. Für die Unwissen־ den war durch den Vortrag des שליח צבור Sorge getragen. Es gab wohl in jeder Ortschaft Babyloniens Gelehrte, die darüber wachten, dass man an den alten Formeln festhielt und nichts hinzufügte, was gegen deren Geist verstiess. Aehnliche Verhältnisse herrschten wahrscheinlich in Palästina. Der erste dort1*) entstandene Versuch einer Gebetordnung, מסכת סופרים, ist daher ganz halachisch und setzt die Stammgebete als bekannt voraus. *) Siehe hebräische Abteilung S. 1—38. *) Tosefta שבת XIV 4 (ed. Zuckermandel XIII 4 p. 128) eingeführt mit מכאן אמרו; vgl. dazu Brüll, Jahrbücher IV p. 5 ff. Anm. 1 und J. Müller, מסכת סופרים (Leipzig 1878) p. 206 f. ta) Gegen W e i s s, דור דור ודורשיו II2 p. 218.