Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 405)
- Language
- German
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332 Piir die Aufdeckung chronologischer Verhältnisse ist unser Papyrus nach zwei Richtungen hin sehr wichtig. Bekanntlich ist es strittig gewesen, ob der Zug Ezras im Jahre 7 des Artaxerxes, sowie der erste des Neliemja, der im Jahre 20, der zweite, der im Jahre 32 des Artaxerxes stattfand, in die Regierung Artaxerxes’ I. Longimanus (465—45) fällt oder, wie z. B. von Lagrange behauptet wurde, in die Zeit des Artaxerxes II. Mnemon (405—359). Alles nun, was zur Begründung dieser zweiten Annahme geschrieben wurde, ist durch einige Worte in unserem Papyrus als irrig erwiesen. Denn da sich in diesem Papyrus im Jahre 408/7 die ägyptischen Juden bereits an die Söhne Sanballats um Hilfe wenden und da deren Vater Sanballat Feind und Hinderer der Bestrebungen Nehemjas gewesen war, so muss Neliemja unter Artaxerxes I. nach Jerusalem gekommen sein (im Jahre 445 und 432), nicht aber unter Artaxerxes II., dessen 20. und 32. Jahr erst 384 resp. 371 gewesen wären. Die alte Auffassung hat also hier Recht behalten. Nach anderer Richtung hin ist der Papyrus für die Zeit der Erbauung des samaritanischen Tempels auf dem Berg Garizim von Wichtigkeit. Josephus (Antiqu. XI,7, 2; 8, 2 ff.) setzt bekanntlich dessen Bau in die Zeit des Perserkönigs Darius Codomannus (336—30) und Alexanders des Grossen. Darius Codomannus habe den Sanaballates als Statthalter nach Samarien geschickt; dieser habe seine Tochter Nikaso dem Manasse, dem Bruder des Hohepriesters Jaddus, zur Frau gegeben. Da Manasse dadurch in Konflikt mit den Juden gekommen sei, habe für ihn Sanaballates den Garizimtempel erbaut; er habe sich dazu der Mithilfe Alexanders des Grossen bedient, zu welchem Sanaballates nach der Schlacht bei Issus (332) tibergegangen sei. — Da es nun aber durch unseren Papyrus feststeht, dass im Jahre 408/7 schon Sanballats Söhne in einflussreicher Stellung waren, da ihr Vater damals vermutlich schon gestorben, keinesfalls mehr im Amt war, da ferner der jüdische Schwiegersohn Sanballats aus der hohepriesterlichen Familie nach Neh. 13, 28 ein Zeitgenosse Nehemjas, also bereits 432 vermählt war, so ist Josephus’ chronologischer Ansatz für den Bau des Garizimtempels als falsch zu verwarfen. Entweder stand der samaritanische Tempelbau in keinem Zusammenhang mit Sanballat und seinem Schwiegersohn,