Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 404)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1996-3488359- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
331 Man darf auch gegen die gesetzliche Geltung des deuter;nomischen Verbots nicht daraus Einwendungen herleiten, dass die Priester von Elephantine sich hilfesuchend an den Hohepriester von Jerusalem wenden, also von dieser offiziellsten Stelle in Jerusalem aus ein Wohlwollen für ihren Tempel erwarten. Denn in diesen Kreisen in Jerusalem stand damals das religiöse Leben mit den gesetzlichen Vorschriften in starkem Widerspruch. War doch der Hohepriester Eljaschib, der Grossvater unseres Jehöchanan, mit dem Ammonit er Tobia in Verwandtschaftsverhältnis und hatte diesem (Tue grosse Zelle im Tempelvorhof eingeräumt (Neh. 13, 411*.), aus der ihn erst Xehemia wieder vertrieb (Neh. 13, 81). War doch ferner ein Enkel jenes Eljaschib, also ein Zeitgenosse des augenblicklichen Ilohepriesters Jehöchanan, Schwiegersohn des Sanballat, eines andern grimmigen Feindes Nehemjas (Neh. 13, 28). Diese zeitgenössischen Hohepriester sind also keine in Betracht kommenden Zeugen für das, was nach der deuteronomisehen Vorschrift zu geschehen hatte. — Das Verbot der Mischehen mit Heiden (Deut. 7, 3) bestand ja ebenfalls längst und wurde gleichwohl bei Ezras Ankunft in Jerusalem nicht bloss seitens der Laien im weitesten Umfange, sondern auch seitens der hohepriesterlichen Familie ausser Acht gelassen. Die auffällige Tatsache, dass sich die Priester von Elephantine ausser an den persischen Statthalter in Judäa, Bagoas, und den Hohepriester in Jerusalem, auch an die 2 Söhne Sanballats, des Statthalters von Samarien, Delaja und Schelemja, um Abhilfe wenden, also an die Söhne des Todfeindes Nehemjas, auch diese Tatsache wird durch die eben besprochenen Verwandt- Schaftsverhältnisse durchaus verständlich. Der Hohepriester Jochanan in Jerusalem stand mit Sanballat in Verwandtschaftsverhältnis; denn einer der Söhne des Jöjada' ben Eljaschib war Schwiegersohn Sanballats. Sanballats Söhne waren also ein der hohepriesterlichen Familie durch Fleisch wie sicher durch Gesinnung verwandter Kreis, den die ägyptischen Priester anrnfen. Davon, dass Nehemja nach Jerusalem gekommen und sowohl mit Sanballat wie mit der hohepriesterlichen Familie Kämpfe zu führen hatte, hatten die oberägyptischen Juden wohl gar nichts erfahren; nichts in ihrem Schreiben deutet auf eine Kenntnis dieser inneren Verhältnisse hin.