Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 388)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1980-3488343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
815 Auszug’ aus dem Briefe eines Freundes mitteilen, der bei dieser Feier selbst tätig’ mit wirkendes Mitglied war. מ Samstag Abend 7 Uhr versammelten sich alle Mitglieder unseres Vereines, ungefähr 80 an der Zahl, bei unserem Lehrer, Ilr. Metz, um sofort den Zug antreten zu können; in den Strassen, durch die er kommen musste, waren alle Häuser sowohl von Christen als Juden aufs schönste illuminiert. Um 772 ordneten wir uns in folgender Leihe: zuerst der Direktor unseres Vereines, welchem unser Sängerchor folgte; als dann wurde der Vorhang zur (■Jesetzeslade (zum (Jeschenke gehörig) von zwei Männern getragen; er war von rotem Sammt und hatte eine Aufschrift, deren Buchstaben aus geschlagenem Silber. Darauf kam unter einem von vier Männern getragenen Baldachin, dessen Decke aus prachtvollem Sammt und dessen Stangen mit grünem Taxus umwunden waren, das Hauptgeschenk, eine Gesetzesrolle mit Sammtmantel, silberner Krone und Silbergeschmeide. Hierauf trug ein Mitglied die zu überreichende Adresse in Sammt gebunden, ruhend auf einem mit goldenen Tressen besetzten Sammtkissen; dann folgten die übrigen Mitglieder. Zur Aufreehthaltung der Buhe und um jede Störung zu verhüten, hatten wir zehn Polizeioffizianten requiriert. Man weiss ja, wie in dem lebhaften, leicht erregten Hamburg auch das Unbedeutendste Aufsehen macht; man denke sich nun unseren Zug, von dem alles schon vierzehn Tage vorher sprach, und man wird es nicht übertrieben finden, wenn ich sage, dass sich in den Strassen, die der Zug passierte, Kopf an Kopf drängte, so dass wir Not hatten, durchzukommen. Bei all dem fiel nicht die mindeste Störung vor, ja aus vielen Häusern kamen sogar die Bew ohner heraus und liessen Herrn Bernays mit lautem Jubel hoch leben. Begleitet von einer zahllosen Menschenmenge und unter fortwährendem Freudengeschrei langten wir beim Hause des Jubilars an, das aufs glänzendste mit Blumenguirlanden von oben bis unten verziert war; hier empfang uns dessen Sohn und führte uns zum Saal hinauf, vor dessen Eingang uns Musik empfing. Im Saale selbst, der von zahllosen Wachskerzen tageshell erleuchtet war, sass Herr Bernays in seinem neuen Ornate, von seiner ganzen Familie umgeben. Die Sänger stimmten darauf den Psalm 118, 15 bis zu Ende, von der Musik begleitet, w obei der Jubilar seiner B&hrung nicht länger Meister bleiben konnte, sondern in Tränen