Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 384)
- Language
- German
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Bll religiösgeschichtliche Vergangenheit und leugnet sofort die genierende, prästabilierte Zukunft. Einziges wirksames Heilmittel dagegen kann folglich kein anderes sein, als: die geschichtlichen Erinnerungen wieder geistig beleben, dem Gesetze seine absolute Bedeutsamkeit erringen und sichern, und den Seelenblick auf die göttliche künftige Verheissung hinlenken, um so die in der Gegenwart loser und loser gewordenen Bande und Beziehungen durch regen lebendigen Hinblick auf Ursprung und Ziel zu befestigen und zu stärken. Wenn ad II der fragliche Verein bei seinem Entstehen vor 2B Jahren eine namhafte Anzahl Gemeindeglieder gefunden haben will, die ״allem religiösen Leben gänzlich entfremdet warenu, so konnte doch augenfällig diese Entfremdung nicht Folge der alten gottesdienstlichen Formen sein, da bekanntlich der Besuch des öffentlichen Gottesdienstes kein wesentliches Hauptstück des jüdisch religiösen Lebens ausmacht; sie war vielmehr die natürliche Folge der Nichtachtung des alten göttlichen Gesetzes und der traditionellen Anordnungen. Also jüdischen Indifferentisnms fand er vor, und wie steuerte er ihm? Durch Ausstattung eines grade dem gegenwärtigen Geschmack zusagenden äussern, dem Triebe durchaus keinen göttlichen Zwang anlegenden Cultus, zu dem die Flitter von allen!Religionen zusammengetragen worden, durch sogenannte moralische Vorträge, die den eignen Verstand und Sinn zum kritischen Beurteiler des göttlichgegebenen Gesetzes und Tradition erheben, die Ewigkeit des Gesetzes in die Schwebe bringen und so die jüdisch-religiöse Vergangenheit über der fortgeschrittenen Gegenwart aufgehen lassen; und endlich durch ein kastriertes Gebetbuch, dem man alles biblische Leben und Seele, als: Wiederherstellung Zions und Jerusalems, im Glanze der Voliübung des Gesetzes und Opfer in Gottesanschauung, mutwillig ausgeschnitten, und dafür in die Musaph-(Opfer) Gebete Formeln eingeschoben, die nur dann auf fortdauernde religiöse Bedeutung und Wirksamkeit Anspruch hätten, wenn die nressianischen Erwartungen als bereits erfüllt und im Geiste wirkend, geglaubt würden, was doch von einem sich nennenden echt israelitischen Verein nicht zu erwarten steht.