Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 378)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1970-3488333- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
305 Bernays auf dem Boden des althergebrachten orthodoxen Judentums stand, als sie ferner bemerkten, dass er nebst seiner Tätigkeit auf der Kanzel und in der Schule mit Fleiss und Eifer das Studium des Talmuds pflegte, traten auch sie ihm näher, der Dajan Salomon Dreyfuss und Meier Hess schlossen sich ihm in Freund- Schaft an. Bernays’ Hauptstreben war ja nicht, als Redner zu glänzen oder als Publizist in der Welt zu strahlen, sondern in stiller, emsiger Arbeit Jünger für die Gottessache zu erziehen. Er wäre daher selbst in seinen Ruhmesjahren geneigt gewesen, die Stelle eines Lehrers an einem jüdischen Seminar, das in seinem Sinne geleitet worden wäre, anzunehmen, wie sein Sohn Professor Jakob Bernays an seinen Onkel schrieb1): ״Du erinnerst dich, lieber Onkel, wohl noch des Projects einer jüdischen Universität, das vor einer Reihe von Jahren auftauchte und nur zu bald aufs kläglichste scheiterte. Ganz zu Anfang, ehe die Sache hoffnungslos verfahren war, sagte mir אמ״ו זצ״ל zu wiederholten Malen: er würde es mit seiner Pflicht als יהודי nicht vereinbar halten, einen, wenn auch äusserlich unvorteilhaften Ruf an eine solche Anstalt selbst als Hamburger הכם (Rabbiner) abzulehnen“. Da damals die Gründüng einer jüdisch-theologischen Fakultät oder eines Seminars scheiterte, versuchte Bernays unter den gegebenen Verhältnissen in Hamburg selbst, seine Lieblingsidee zu verwirklichen, die Jugend in systematischer Weise dem Judentum zu erziehen. Er begann, die Hamburger Talmud-Thora-Schule zu einer Pflanzstätte jüdischen und weltlichen Wissens zu gestalten. Seine Wirksamkeit als Reformator dieser Schule schildert deren gegenwärtiger Direktor Dr. Goldschmidt in seiner Geschichte der Anstalt S. 50 sehr ausftihrlich. Über Bernays’ Wirken als Rabbiner und Prediger lassen wir hier einen Zeitgenossen, Moses Mendelson, der kein blinder Anhänger Bernays’ war, sprechen. Im ״Orient“ vom Jahre 1840 (Seite 218) schreibt er unter anderem: ״Bernays war eine aussergewöhnliche Erscheinung am Horizont des orthodoxen Judentums ... Von der Natur mit einer edlen Form und einem noch edlern Geist begabt, fasste er schnell die schwierigsten Aufgaben auf, löste sie eben so schnell und leicht, und durch eine merkwürdige Gedächtnis- ף Siehe Brann, Geschichte des jüdtheob Seminars, $. 44. Jahrbuch J, L. G, V, 20