Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 371)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3486266-3486275--1963-3488326- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Scheuers Leitung im Talmud vervollkommnet hatte, ging er nach Wtirzburg zur Universität. Dort machte er die Bekanntschaft Jakoh Ettlingers, mit dem ihn auch später innige Freundschaft verband. Wie ich von Rabbi E. Munk und Dr. S. P. Nathan hörte, studierten Bernays und Ettlinger gemeinsam die Religions- Philosophie des Maimoiiides, wobei Bernays der lehrende Teil war, während hingegen Ettlinger beim gemeinsamen Lernen des J01*e־Dca die führende Rolle spielte. Beide wurden von ihrem Lehrer R. Abraham Bing mit der Hattorath Horaa (Rabbinatsdiplom) ausgezeichnet, Bernays wurde sogar zu seinem Rabbinatsassesor ernannt. Ein Semester besuchte dieser auch die Universität in München, verkehrte dort viel mit dem Professor der Theologie v. Kalb, worauf wir später noch zurückkommen werden, und kehrte dann als Privatgelehrter nach seiner Vaterstadt Mainz zurück. Die jüdische Gemeinde Hamburg trennte sich bekanntlich 1812 von Altona. Die Rechtsverhältnisse waren noch nicht ganz geklärt. Die französische Invasion mit allen ihren Nöten hatte die Wohlfahrt und das geistige Leben in Hamburg zerrüttet. Dazu kam noch die 1819 aufgetauchte Reformbewegung, die sich in dem Hamburger Tempelstreite darstellte und die Gemüter aufrüttelte. In diesen Wirrnissen richteten die Führer der Gemeinde ihre Augen auf Jsaak Bernays. Der Ruf seiner Gelehrsamkeit auf talmudischem und nicht minder auf philosophischem Gebiete war schon in die weitesten Kreise gedrungen. Er erschien als der Berufenste, die Wirrnisse zu beseitigen, neues jüdisches Leben wachzurufen, um Hamburg wieder zu einer Mustergemeinde zu gestalten. Es wurden Erkundigungen über ihn eingeholt und die Auskünfte waren derartig, dass sie zur Berufung Bernays’ führten1). Die von den! obengenannten Prof. v. Kalb erteilte Auskunft sei um des Interesses l) Die Auskunft des R• Abraham Bing liegt mir nicht im hebräi׳ sehen Original, sondern nur in einer allzu wörtlichen und der Schwierigkeit des Uebertragens aus der hebräischen Phraseologie ins Deutsche nicht genügend gewachsenen Uebersetzung vor. Es soll deshalb rieht der ganze Brief, sondern nur ein kleiner Auszug aus demselben hier Platz finden: ״paher eile ich, meine Ueberzeugung mit gutem Gewissen auszusprechen, dass nämlich der von Ihnen, geehrte Herren, gewünschte Mann als ein Mann, in dem Gottesgeist ruhet, allgemein bekannt, dem die Kraft der gelehrten