Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 343)
- Language
- German
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der Grossen Synagoge, dahingegangenwaren, wurde er an die Spitze desSanhedrin gestellt und im reifen Alter blühte ihm das Glück, Hohepriester zu werden,welche Ehrenstellung er noch vierzig Jahre bekleidete. Weil er in seiner Jugend mit den unvergesslichen Wohltätern unseres Volkes, mit den Männern der Grossen Versammlung, zusammensitzen durfte, vergoldet ihr Nachruhm auch sein Andenken und in der Mischna wird die Mitteilung seines Ehrennamens ״der Gerechte“ noch durch das Ruhmeswort היה משירי כנסת הגדולה überboten, er durfte, wenn auch noch in jugendlichem Alter stehend und damals fast verschwindend den Riesengeistern gegenüber, die jene königliche Versammlung zierten, sich immerhin einige Zeit zu den Mitgliedern dieser Versammlung zählen. Als Alexander Jerusalem bedrohte, war er schon alt und bedeutend genug, um an Stelle des Hohepriesters, seines greisen Oheims Jaddua, zum Führer des feierlichen Zugs der um Gnade Flehenden bestimmt zu werden, und seine hoheitsvolle Erscheinung, die ja Sirach in glänzenden Bildern lebensvoll gezeichnet hat, bezwang in wunderbarer Art den Welteroberer, so dass er sich vor dem Bittenden beugte und ihm Gehör gewährte1). Sein *) Dass Simon I. es war, der Alexander zur Milde stimmte, kann nicht bezweifelt werden, es wird uns dies wiederholt in verschiedenartigen talmudischen Quellen berichtet Diese Quellen sagen kein Wort davon, dass er damals schon Hohepriester war, überall ist nur die Rede von בגדי בהיגה, von priesterlichen Gewändern, in die er sich hüllte- Was in späteren Geschichtsdarstellungen von dem Eindruck der hohepriesterlichen Gewänder auf Alexander erzählt wird, geht auf Josephus zurück. Dieser wusste, dass damals Jaddua Hohepriester war, der selbstverständlich auch die vorausgehende diplomatische Correspondenz, die Alexanders Zorn erregte, mit seinem Namen gezeichnet hatte, und er nahm stillschweigend an, dass auch Jaddua es war, der Alexander entgegen zog, und schmückt dann nach seiner Art die Erzählung von der wunderbaren Umstimmung des Sinnes Alexanders rethorisch aus, indem er schildert, welchen Eindruck die heiligen Prachtgewänder des Hohepriesters auf Alexander machten. Josephus, der in Einzelheiten oft genug mehr als ungenau ist und überhaupt nicht viel von den Meistern der Thora weiss, verwechselt hier die Personen und setzt den damaligen Hohepriester Jaddua für Simon den Gerechten. Unseren Weisen jedoch war aus historischen Aufzeichnungen und durch mündliche Ueberlieferung bekannt, dass man nicht den im hohen Alter stehenden Hohepriester, sondern Simon den Gerechten, der damals schon der Stolz und die Wonne seines Volkes war, dem Alexander entgegensandte. Dass Simon, der wahr-