Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 340)
- Language
- German
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268 Tobiaden gegen ihren bessern Bruder Hyrkan genommen hatte. Auch Onias II., der Vater Simons II., hat einen verhängnisvollen, unverzeihlichen Fehler begangen, als er, aus welchen Gründen immer, ohne jede Gegenwehr, die Stellung des Hohepriesters als Machthabers und obersten Verwaltungsbeamten in Judäa, welche die Hohepriester seit der Perserzeit innehatten, aufgab und sie in die Hände seines Neffen Joseph legte, der ihm, wenn nicht nach seinen sonstigen Fehlern, mindestens als Parteigänger der Samaritaner bekannt sein musste. Diese Machtentäusserung des Hohepriesters hatte zur Folge, dass der dem Judentum entfremdete Joseph mit dem Tross seiner ihm gleichgesinnten Untereinnehmer und weiteren Angestellten, die Herrschaft an sich riss und dass, in Judäa eine ungewohnte Erscheinung, eine Aristokratie entstand, welche sich aus Beamten, die durch die Steuerpacht reich geworden waren, sowie aus der Familie des Joseph selbst rekrutierte. Damals war es auch, dass das Sanhedrin, welches bis jetzt zusammen mit dem Vorsitzenden aus 71 Mitgliedern bestanden hatte, seine Zahl auf 72 erhöhte, indem es noch einen weiteren Vorsitzenden wählte, der den Titel Nassi, Fürst, führte und dem die Exekutive bezüglich vieler Dinge der inneren Verwaltung, sowie der Religions- und Tempelangelegenheiten anvertraut wurde. Bisher war der Hohepriester als oberster Vertreter der persischen und später griechischen Staatsgewalt, zugleich der ausführende Beamte für die Beschlüsse der Sanhedrin gewesen. Als der Hohepriester sein politisches Amt aus Händen gab, es einem Unwürdigen überlassend, war das Sanhedrin gezwungen, sich einen Vertrauensmann zu wählen, der dem Volk als sein Vertreter galt und ohne irgend welche Einmischung der Regierungen von Alexandria und Antiochia widerspruchslose Anerkennung fand. Das Aufgeben der politischen Befugnisse des Hohepriesters durch Onias II. war so die Veranlassung zum Aufkommen der Institution der Suggoth, der Paare. Die alte Würde des Ab Bethdin, des Vorsitzenden der Versammlung, blieb bestehen, es trat ein erster Vorsitzender hinzu, der Nassi. Jose ben Joeser und Jose ben Jochanan bilden das erste ״Paar/ Jose ben Jochanan war schon lange Ab Bethdin, als man ihm nach der Verschiebung der Regierungsverhältnisse durch die Ernennung des Steuerpächters Joseph in den