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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 319

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 319)
Language
German
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247_ Diaspora ihren religiösen Mittelpunkt; das babylonische Juden* land der Neuperser und Araber dagegen, war durch die Nähe der Residenzen Ivtesiphon und Bagdad weit mehr von den politischen Wirren des Grossstaats berührt. Einen jähen Wechsel solcher glücklichen Verhältnisse in Judäa brachte der Ersatz der Perserherrschaft durch die der Hellenen, wobei sich, weit mehr noch als in politischen Angelegenheiten, im Religionsleben der Einfluss des verlockenden und werbenden Griechentums bemerkbar machte. Wenn uns der Name eines gewaltigen Führers nicht bekannt wäre, der sein Volk von der einen Epoche zu der anderen herüberleitete, so müssten wir das Vorhandensein eines solchen vermuten. Nun nennt uns der Talmud an vielen Stellen einehochragendeGestalt als Zeitgenossen Alexanders, die, geschmückt mit den herrlichsten Eigenschaften, vom Volke einen Ehrennamen erhält, wie ihn bisher nach dem Stammvater Joseph kein anderer unserer Grossen führte. Diese Persönlichkeit wird nun deutlich als zwischen zwei verschiedenartigen Epochen stehend gezeichnet; auf der einen Seite, in der bekannten zweit en Mischna des Traktats Aboth heisst es von ihm, dass er zu den späteren Mitgliedern der Grossen Synagoge gehört (משיד כנסת הגדולה), auf der anderen Seite zählt uns die Agada eine Reihe von Wundern auf, die sich beim Tempeldienste zeigten, solange das Volk religiös unverdorben war, und von diesen Wundern heisst es, dass sie nur bis zum Tode dieses Führers ohne Unterbrechung und Störungin Erscheinung traten. DiescrMann, der beim ersten Ansturm des Griechentums schützend vor seinem Volke stand, wird gleichmassig im Talmud und der einzigen Profanquelle, dem Josephus, Simon der Gerechte genant. Wir finden es natürlich, dass diese bewegte Zeit mit ihren schweren Forderungen einen solchen, dem Volke ewig unvergesslichen Mann hervorbrachte. Und wenn im 50 Kapitel des Buches Sirach ein Hohepriester, dessen Name und Vatername mit dem Simons des Gerechten des Talmud und des Josephus gleich ist, in begeisterter Weise gefeiert wird, so hegen wir keinen Zweifel, dass Sirachs Pieislied keinen anderen besingt. Wüssten wir nur von den Taten Simons des Gerechten, nicht aber, zu welcher Zeit er blühte, auf keinen Punkt unserer Geschichte, so scheint es uns, könnte man ihn besser stellen, als dahin, wo Talmud und Josephus übereinstimmend ihn versetzen, in den Anfang der Griechenherrschaft.

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