Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 318)
- Language
- German
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Ein grösserer Wechsel noch als in den politischen Dingen, so bedeutend er nach dem Gesagten auch war, zeigt sich bezüglieh der Bedingungen für das Religionsleben. Es ist eine bekannte Tatsache, dass sich die Perser um die Religion der unterworfenen Völker wenig kümmerten; so fest der herrschende Stamm der Zend- Religion anhing, so wenig Veranlassung scheint man gehabt zu haben, den Besiegten mit der Herrschaft zugleich einen neuen Kultus zu bringen. Um Judäa herum sehen wir denn nach wie vor alte heidnische Kultformen fortbestehen, die aber, als macht- und einflusslosen Staatsgebilden angehörend, nicht mehr den verführerischen Reiz für die Juden haben konnten, wie in der Zeit der israelitischen Könige. Die Perser selbst und ihr Religionswesen waren ihnen wenig bekannt, sowohl wegen der Ent״ fernung des Stammlandes der Perser, als besonders weil diese nichts getan zu haben scheinen, um durch Zwang, Ueberredung oder lockenden Lohn ihrer Religion neue Anhänger zuzufuhren. Unbehelligt von fremden politischen oder religiösen Einflüssen lebten die Bewohner des jüdischen Staates den grössten Teil der Perserzeit hindurch der Ausübung ihrer altüberlieferten heiligen Pflichten und deren Studium. In ihrem Hohepriester sahen sie neben dem ersten Tempelbeamten zugleich den Vertreter der Staatsgewalt, wie letzteres noch um viel mehr als ein Jahrtausend länger ein Nachkomme Davids als Exilarch den Juden Babyloniens war. Aus der Zeit der Herrschaft der Achaemeniden über Judäa sind wenig Berichte zu uns gelangt, die uns über den inneren Zustand dieses Landes aufklären. Ein Blick aber auf den jüdischen Vasallenstaat zwischen Euphrat und Tigris unter der Oberherrschaft der Neuperser und Araber, über den die Geschichte ja helleres Licht verbreitet, zeigt, dass uns nichts hindern kann, zum mindesten die günstigen Verhältnisse für Religion, Geistesleben und materielle Wohlfahrt der babylonischen Juden, auch für die Juden Palästinas ein Jahrhundert vor Alexander in Anspruch zu nehmen. Ja die Bedingungen für ungestörte Uebung und ungestörtes Studium unseres heiligen Religionsgesetzes und damit verbunden für ein ungestörtes Erwerbsleben waren im damaligen Palästina entschieden günstiger als im späterer! Babylonien. Hatte doch der persische Vasallenstaat Judäa zur Hauptstadt Jerusalem mit Tempel und Sanhedrin, und fand dadurch dort die gesamte jüdische