Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 299)
- Language
- German
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227 dargebracht werden dürfe. Dies erklärt sich nur daraus, dass damals kein בית דין הגדול vorhanden war, dem das Becht zustand, durch einen Beschluss über diese Frage zu entscheiden, und nur durch eine von Schemaja und Abtaljon empfangene Tradition konnte Hillel den Zweifel zur Lösung bringen (Halevy S. 82). Halevy geht noch weiter und meint, dass selbst die Ein- Setzung Hillels zum Nasi nicht das frühere Sanhedrin mit seinen alten Beeilten und Prärogativen wiederhergestellt hat. Das wäre damals durch die Staatsgewalt nicht gestattet worden. Hillel wurde nicht zum Präsident en des Zentral - Sy nedrion, das damals gar nicht existierte und auch nicht wieder hergestellt wurde, sondern zum Oberhaupt des Lehrhauses (ראש מודבתא) ernannt, das nur teilweise die Funktionen des grossen Synedrion übernehmen konnte (Halevy S. 548). Daher kam es, dass bei den Kontroversen zwischen der Schule Schammai, die bereits vor Hillels Nasiat existiert hatte, und der nachher entstandenen Schule Hillels vom Sanhedrin nicht eine endgiltige Entscheidung getroffen wurde (Halevy S. 556). Andererseits hat das Nasiat durch die Gestaltung des obersten Zentral-Synedrion zu einem Hause, von dem die Lehre ausging für Israel, an Bedeutung für die Lehre gewonnen, indem der Nasi jetzt dem Volke gegenüber das ganze Kollegium der Weisen Israels vertrat (Halevy S. 608 f.). Man sieht, dass durch die Hypothese von der Auflösung des grossen Sanhedrin im Jahre 57 a. viele Schwierigkeiten in der Geschichte des letzten Jahrhunderts des zweiten jüdischen Staatslebens sich beseitigen lassen. Unter anderem ist es auch nicht mehr auffällig, dass die grossen Männer, welche von den talmudisehen Berichten als Häupter des ב״ד הגדול genannt werden, in den anderweitigen Quellen nicht als solche erscheinen. Teilweise stimmt die Annahme Halevys auch mit der von Büchler überein, der in seiner Schrift rDas Synedrion in Jerusalem usw.u ( Wien 1902) die Annahme zu erhärten sucht, dass das grosse בית דין des Talmuds eine von dem Synhedrion der griechischen Quellen verschiedene Behörde war. Nur lässt Halevy diese Gestaltung des grossen ב״ד erst mit dem Jahre 57 a. eintreten und von dieser Zeit ab überhaupt kein grosses Zentral-Synedrion mit der früheren Machtfülle existieren.