Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 294)
- Language
- German
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Buth, der Stammutter Davids, niemand in Tsrael etwas ausznsetzen hatte. An und für sieh war die eheliehe Unbescholtenheit der Salome, der Schwester des Merodes, sowie der späteren Herodianer eine sehr fragwürdige oder eine zum Teil überhaupt■ nicht mehr fragwürdige. Ganz entschieden war der zum Ernst und zur Frömmigkeit bekehrte Agrippa. sich der von der ganzen Nation gegen die Legitimität seines Hauses gehegten Bedenken nicht nur bewusst, sondern er musste sie1 auch objektiv billigen; daher auch seine Tränen bei der Verlesung der Stelle. Wir kehren jetzt, nach diesen gescliicldichen Feststellungen, zu unserem Thema und zu Rabbi Nathan zurück. Rabbi Nathan, der Tannaite, der Zeitgenosse Rabbi Meirs, war jedenfalls von der Illegitimität der herodianischen Dynastie, mithin auch der Herrschaft des Agrippa, fest überzeugt. Es kann dabei als nebensächlich gelten, ob er die Tradition des Talmuds, dass alle Herodianer Sklaven seien, vorausgesetzt hat oder nicht. Wie kommt er nun in diesem Fall dazu, diese Notlüge der Weisen, die in der Tat vielleicht nur eine verhältnismässig harmlose reservatio mentalis darstellt, da, wie die Thosafoth zur Entlastung anführen, sie mit Recht Agrippa als ״Bruder in der Gesetzeserfüllung“ bezeichnen konnten, so schwer zu verurteilen? Wenn im Talmud allgemein, wie wir gesehen haben, die Zulassung der Notlüge im Interesse der Aufrechterhaltung der friedlichen Beziehungen zwischen den Menschen gelehrt wird, so muss dieses Moment doch sicher dem König gegenüber in verstärktem Masse gelten. Und wenn Rabbi Nathan selber die Notlüge für ein religiöses Gebot erklärt, wenn es sich um Lebenserhaltung handelt, so war, wie wir schon angedeutet haben, dieses Moment bei einem beleidigten König ganz gewiss nicht ausserhalb des Bereiches der Möglichkeit gelegen. Zwei Gründe scheinen mir zur Erklärung angeführt werden zu können, die mit dem oben schon aus Thosafoth Sotah 41 b betonten nationalen Moment so ziemlich sich decken, es mehr oder weniger nur erläutern. Rabbi Nathan war ein Zeitgenosse des Barkochba-Krieges und der hadrianisehen Verfolgungen. Er hat mit eigenen Augen sich von dem grossen politischen und geistigen