Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 293)
- Language
- German
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221 dass das Herodes’ Herren in Rücksicht auf seinen erhofften Sturz wohl unterlassen haben werden. Aus alledem geht nun hervor, dass Babbi Nathans Verdammung der Weisen eine Menge von Schwierigkeiten auslöst, ganz abgesehen von der uns zunächst interessierenden Frage, wie er zu einer derartig harten Verdammung der Notlüge im Falle Agri!>pas kommen kann, nachdem er selbst an anderer Stelle eine Notlüge zur Erhaltung des Lebens für ein religiöses Gebot erklärt. Ziehen wir nun das Resultat aus den Ausführungen des Talmuds und der Kommentatoren, so ergibt sich folgendes: 1) Dem Talmud gilt es auf Grund der Mitteilung in Baba bathra 8 b und Kidduschin TOb als ausgemacht, dass die Herodianer alle עבדים ״Sklaven“ sind. Diese Annahme ist nicht ohne grosse Schwierigkeiten; denn sie setzt voraus: a) dass weder Herodes noch seine Söhne jüdische Frauen geheiratet haben; dies ist aber bezüglich Herodes selber geschichtlich unbegründet; denn sowohl sein Sohn Alexander, wie sein Sohn Aristobul, der Vater Agrippas I., um den es sich handelt, sind Söhne der letzten Hasmonäerin Mariamne b) dass die eigentlichen Herren der Sklaven Antipater und Herodes und seiner Nachkommen ihre Rechte auf ihre Sklaven auch dann nicht aufgegeben haben, als diese bereits den Königsthron bestiegen hatten, eine gewiss unwahrscheinliche Annahme. 2.) Raschi nimmt an, dass Agrippas Mutter wohl eine Jüdin gewesen sei, was aber (vgl. oben S. 217) auf Agrippa 1., um den es sich wohl sicher handelt, nicht zutrifft. Daraus ergibt sich für Raschi die Notwendigkeit, das Moment des Sklavencharakters der Herodianer zu betonen, um Rabbi Nathans Verdikt der Weisen zu verstehen. Bei Agrippa I. hätte Raschi, da nicht Agrippas Mutter eine Jüdin war, sondern seine Grossmutter, nicht notwendig, dieses Moment heranzuziehen; denn Agrippa I. war tatsächlich trotz des inseinen Adern rollenden Hasmonäerblutes, das uns seine Frömmigkeit zu erklären vermag, von Vater- und Mutter-Seite ein Edomiter. Dadurch fallen alle von Raschi selber in Bezug auf Agrippa II. gefühlten und von den Thosafoth direkt ausgeglichenen Schwierigkeiten ohne weiteres weg. Denn die edomitischen Zwangs-Proselyten hat man als vollwertige Juden nicht angesehen, während z. B. an der Nachkommenschaft der freiwillig das Judentum erkürenden