Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 292)
- Language
- German
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220 sagen Thosafoth, man müsse weiterhin annehmen, dass sie gemeint hätten, Agrippa sei ihr Bruder in der Erfüllung der göttlichen Gebote, und das war der fromme Agrippa gewiss. Thosafoth haben jedenfalls damit die geschichtliche Wahrheit getroffen; denn Aristobuls Gattin, also die Mutter Agrippas, war als Salomes Tochter jedenfalls die Tochter keiner geborenen Jüdin, sondern einer Proselytin. Dass diese keinesfalls eine treue Jüdin war, beweist der Umstand, (lass sie, entgegen dem jüdischen Gesetz, wie das Josephus berichtet, ihrem zweiten Gatten Kostobar, dem Vater der Berenike, den Scheidebrief sandte (Ant. XV, 7, 10), ganz abgesehen von ihrem sonstigen Uharakter. Auch Thosafoth Jebamoth 45 b befassen sich mit den Schwierigkeiten unserer Materie und linden es auffällig, dass, wenn Agrippas Mutter, wie Baschi sagt, ein(‘ Jüdin war, alsdann für eine Notlüge, wie die von (hm Weisen gesprochene, eine so grosse Strafe sollte verhängt worden sein. Denn wenn man sich auf den Standpunkt der Thosafoth stellt, dass König nur ein Mitglied sein dürfe aus einer Familie, deren Töchter zur Heirat mit Priestern zugelassen sind, was bei Herodes’ Nachkommen allerdings nicht zutrifft, so handle es sich doch nur um ein Verbot (1er Weisen, für das so grosse Strafe sich nicht rechtfertigen lasse. Thosafoth nehmen darum an, Herodes habe keine Jüdin geheiratet — was, wie wir gesehen haben, der geschiehtliehen Wahrheit widerspricht, — und entlasten die Weisen, wie in Baba bathra 3 b, damit, dass sie Agrippa, entsprechend Baba kainma 88 a, einen Bruder in der Erfüllung der göttlichen Gebote genannt hätten, was allerdings auf Agrippa I. (nicht aber auf Agrippa II.) anwendbar wäre, bei dem es nicht nur theoretische, sondern bei seinem Ernst in der Erfüllung der Gebote praktische und tatsächliche Geltung hatte. Dadurch sei dann auch die talmudische Annähme gerechtfertigt, dass jeder, der mit der Prätension auftritt, ein Hasmonäerabkömmlmg zu sein, ein Sklave wäre. Mit liecht fragen noch die Thosafoth, es sei doch anzunehmen, dass die Herren des Sklaven Herodes ihn sicher stillschweigend als frei erklärt haben werden, nachdem er den Thron bestiegen hatte, so dass, entsprechend der Halachah, wer seinen Sklaven als herrenloses Gut erklärt, ihm keinen Freibrief zu geben brauche, Herodes und seine Nachkommen nicht mehr den Charakter von Sklaven trugen. Die Thosafoth geben darauf eine sicher nicht ganz befriedigende Antwort,