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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 288

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 288)
Language
German
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216 Noch wäre auf eine Baraitha in Ebel rabbathi hinzuweisen (Abschnitt III), der zufolge es bei einer Grabrede gestattet wird, das tatsächliche Lob, das der Verstorbene wirklich verdient, in etwas verstärktem Masse vorzutragen, aber unbedingt verboten ist, ihm etwas nachzurühmen, was gar nicht zutrifft (לא מוסיפץ בתהלה אבל ״ מוכדפין על העקרman darf nicht von vornherein etwas hinzufügen, aber man darf hinzufügen, wenn die Hauptsache wahr ist“)♦ Die harmlose, gesteigerte Hervorhebung ist erlaubt, damit der Tod eines Menschen die Hinterbliebenen nicht kalt lässt, also im Interesse der Ehre des Verstorbenen. Die Gefahr einer solchen, wenn auch nur relativen Notlüge ist aber nicht zu unterschätzen; es muss der Einsicht des Redners anheimgestellt sein, ob die Uebertreibung nicht gefährlich ist, und seinem Takt, dass er sie harmlos gestaltet. Wer aber ein Lob aus der Luft greift oder über das Mass hinaus übertreibt, verdient scharfen Tadel, den die Dezisoren (Schulchan Aruch Joreh Deah 844, 1) dahin aussprechen, dass der Redner Schlimmes für sich und den Toten bewirkt. Also auch hier ist die Notlüge nur gestattet, wenn keine Gefahr für Religion und Sittlichkeit zu befürchten ist. Wir wollen nunmehr zur Erklärung der hinsichtlich der Notlüge schwierigsten Stelle des Talmuds schreiten. Sie ist gleichfalls in Sota 41b enthalten und stellt eine Tosefta dar. Dort heisst es (41 a) in der Mischnah bei der Verlesung des Königsabschnittes, dass der König Agrippa helle Tränen geweint habe, als er zu den Worten kam: ״Du darfst über dich nicht einen fremden Mann setzen1)“. Die Weisen aber hätten ihn beruhigt, indem sie sagten: ״Fürchte dich nicht, Agrippa, unser Bruder bist du, ja unser Bruder bist du!a Im Talmud heisst es nun zu dieser Stelle: ״In der Tosefta heisst es im Namen Rabbi Nathans: In dieser Stunde hat sich Israel der Vernichtung schuldig gemacht weil sie dem Agrippa geschmeichelt haben.“ Ungefähr ebenso lautet eine Baraitha im Jeruschalmi, die in! Namen Rabbi Chaninas, des Sohnes Rabbi Gamliels, tradiert ist. Es ist nun unmöglichetwa anzunehmen, dass wir hier eine rigorose Anschauung bezüg, lieh der Pflicht der Wahrhaftigkeit vor uns haben, etwa im Sinne 1) Er dachte natürlich an seine väterliche Abstammung von dem Volke Edom׳

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