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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 285

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 285)
Language
German
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213 könnten also höchstens vom rein subjektiven Standpunkt aus verurteilt werden1). Immerhin wird hier in beiden Fällen die Notlüge doch nur als erlaubt erklärt. Gleich im Anschlüsse daran erklärt sie Rabbi Nathan, ebenfalls unter Berufung• auf ein Beispiel Gottes, als direktes Gebot und als religiös verdienstlich, wenn es sich um die Erhaltung unseres Lebens handelt. ״Rabbi Nathan sagt: Es ist ein Gebot (sc. sein Wort zu entstellen); denn es heisst: U11d.es sprach Samuel: ״Wie kann ich hingehen (zu Isai, um einen seiner Söhne zu salben)? Saul wird es hören und wird mich töten.“ Und Gott spricht darauf: ״Ein junges Rind sollst du mitnehmen und sprechen: Dem Ewigen zu opfern, bin ich gekommena.a Hier erteilt also Gott selber Samuel den Befehl, einen Scheingrund vorzugeben, eine Notlüge zu sprechen, weil Samuels Leben in Gefahr ist. Wir wollen besondersfesthalten, dass Rabbi Nathan der Autor dieser Ansicht ist, weil wir später von ihm ein sehr herbes Urteil, ein hartes Verdammungsverdikt eine!• Notlüge hören, das mit seiner hier ausgesprochenen Meinung ganz offensichtlich im Widerspruch steht. In diesen Zusammenhang einschlägig und mit denselben Motiven verwachsen ist folgende Stelle Sotah 41 b. Dort wird darüber verhandelt, ob es erlaubt ist, Frevlern (von denen man offenbar Gefahren fürchtet) zu schmeicheln. Dass es sich nur um solche Frevler handeln kann, beweist die im ganzen Talmud einmütige Verurteilung der Schmeichelei, wovon gerade Sotah 41b selber im weiteren Verlauf genügenden Beweis liefert; übrigens bemerken es die Thosaphoth zur Stelle ausdrücklich. ״Rabbi Simon benLakisch sagt 1 Man kann die Erlaubnis einer solchen Schmeichelei aus folgendem Vers ableiten: ״Ich habe dein Angesicht geschaut, wie man das Angesicht eines göttlichen Wesens schaut, und du hast mich wohlgefällig aufgenommen.“ Es sind das die Worte des nach der Heimat zurückkehrenden Jakob, die er zu dem versöhnlich gestimmten Esau spricht und die Simon ben Lakisch als eine nach seiner Ansicht erlaubte Schmeichelei gegenüber einem Frevler auffasst, von dem Jakob nichts Gutes zu erwarten hatte. Der Talmud fährt nun an dieser Stelle fort: ״Diese Beweisführung, 1) תוספות ישנים wollen freilich auch hier eine Deutung geben, die jedes Abweichen von der Wahrheit ausschliessen soll.

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