Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 284)
- Language
- German
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212 ״Rabbi Jlo’o im Namen Rabbi Elasars, des Sohnes Rabbi Simons, sagte: ״Es darf ein Mensch verändern (sc. die Wahrheit seiner Worte); denn es heisst (bei den Brüdern Josephs, dass sie Joseph sagen Hessen): ״Dein Vater hat befohlen: So sollt ihr zu Joseph sprechen: ״Verzeihe doch die Schuld deiner Brüder etc.tttt — — Unterbrechen wir die Stelle! Hier also handelt es sich darum, dass in der Thora nicht berichtet wird, dass Jakob seinen Söhnen einen solchen Auftrag an Joseph gegeben hat. Um aber ihrer Bitte an Joseph um Verzeihen und Vergessen die Erfüllung zu sichern, legen die Brüder dieselbe ihrem Vater in den Mund. Da also Josephs Brüder in einem solchen Falle, wo es sich um die Erhaltung des Friedens handelt, von der objektiven Wahrheit abweichen, also in der Angst ihrer Seele, Josephs Verzeihung sei nur eine scheinbare gewesen, sei nur mit Rücksicht auf den Vater erfolgt, zu einer Notlüge greifen, so muss dieselbe überall zur Erhaltung des Friedens gestattet sein. Es kann nun in talmudischem Sinn gar kein stärkerer Beweis für die Zulässigkeit der Notlüge zum Zwecke der Friedenserhaltung gedacht werden, als der Nachweis, dass Gott selber, der Wächter und Verfechter der Tugend und Sittlichkeit, zu diesem Zweck ein Wort geändert habe. Und dieser Nachweis gelingt dem Talmud. Es heisst (Jebamoth 65 b, eine Stelle, die Raschi auch in seinem Bibelkommentar zitiert): ״Tm Lehrhause Rabbi Ismaels hat man gelehrt: ,,Etwas Grosses ist der Friede denn auch der Heilige, gelobt sei er, hat um seinetwillen geändert (sc. die Worte). Zuerst nämlich heisse es (sc. in den Worten Saras) ״mein Herr ist alt“; am Ende aber (sc. als Gott über Saras Worte an Abraham referiert) ״ich bin alt.““ Die Gottheit habe also eine Störung des ehelichen Friedens zwischen Abraham und Sara befürchtet, wenn Abraham hören würde, dass Sara ihn für einen Alten erklärt habe, und darum, um den ehelichen Frieden zu sichern, hat Gott — sit venia verbo! — selber die Wahrheit geändert und gesagt, Sara habe von sich als einer Alten gesprochen. Wie gesagt, es ist dies entschieden der höchste Trumpf? den man für die Zulässigkeit der Notlüge zum Schutze hoher und heiliger Güter ausspielen kann. In der Tat sind die beiden Fälle auch ganz harmlos, bergen keineswegs irgend welche Gefahr für die Erschütterung eines Vertrauensverhältnisses in sich