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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 248

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 248)
Language
German
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176 überaus gnädig gehaltenen Briefe1) an die jüdischen Gemeinden gibt er seiner Zuneigung für die Juden sowie der Verurteilung des ihnen angetanen Unrechts Ausdruck. Er teilt ihnen in diesem Briefe auch mit, dass er die Listen, die zur Erpressung neuer Steuern schon ausgearbeitet waren, vernichtet habe, und zum Schlüsse verspricht er, nach Beendigung des Perserkrieges die heilige Stadt Jerusalem auch zu besuchen, die er auf eigene Kosten wieder erbauen will. Es wäre nun die bekannte Erzählung zu erwähnen, von dem Versuche Julians, den Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Bis in die jüngste Zeit hinein galt die Tatsache des Versuches als unumstösslieh. Die Kirchenschriftsteller 2) und auch ein jüdischer Historiker — des 16. Jahrhunderts—erzählen von überirdischer Verhinderung des Baues. Dass die christlichen Schriftsteller diese Verhinderung von Zeichen und Wundern begleitet sein lassen, ist nur natürlich. Die rationalistischen Geschichtsschreiber suchen das Misslingen der Arbeit durch Hervorbrechen unterirdischen Feuers auf natürliche Weise, etwa durch Entzündung von Gasen, zu erklären. Als unparteiischer Kronzeuge für das Ereignis wird der heidnische Historiker Ammianus Marcellinus zitiert, der doch sicher kein Interesse daran hatte, zur Verherrlichung des Christentums etwas zu erdichten und doch von den Vorbereitungen des Baues und der Störung durch Feuer berichtet3). Die höchst auffällige Tatsache, dass in der älteren jüdischen Literatur nichts von dem Ereignis erwähnt wird, Hesse sich ja damit begründen, dass die palästinensischen Lehrhäuser damals verödet waren, dass die babylonischen Juden in Julian den Feind ihres Königs Schabur II sahen und von dem tempelzerstörenden Rom und dem Erbfeinde des sie beschützenden Persiens kein Heil erwarteten, und dass man es daher nicht für nötig fand, die Erinnerung an die kurze, fehlgeschlagene Hoffnung vieler ihrer römischen Brüder Julian, ep. 25; Th. Reinach, Textes d’auteurs Grecs et Romains relatifs du Judaisme Nr. 118; auffällig ist in diesem Briefe die Bemerkung er habe seinem Bruder Julos, dem Patriarchen Hillel, geraten, die Patriarchen- Steuer (cc/roGto?.r') aufzuheben. 2) Der erste Bericht findet sich bei dem zeitgenössischen Bischof Chrysostomus (adv. Jud. IIP. 3) Ammianus Marcellinus XX1I1 1.

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