Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 247)
- Language
- German
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175 IV. Noch einmal sollte sich der politische Horizont für die Juden des römischen Reiches erhellen. Kaiser Constantius war am 3. Not. 361 gestorben und am II. Dezember zog sein Vetter und Gegenkaiser Julian, allseitig als Kaiser anerkannt, in Konstantinopel ein. Julian hatte am eignen Leibe gespürt, was religiöse Bedrückung bedeutet. In seiner Jugend war er zum Kirchendienst gezwungen, während er die Kirche hasste, die ihm als Zerstörerin der antiken Kultur erschien. Bei seinem Regierungsantritt war er bestrebt, den Einfluss, den sich die Kirche als Staatsreligion angemasst hatte, zu brechen und der tatsächlichen Zurücksetzung der Nichtchristen ein Ende zu machen. Die feindselige Haltung, die die Kirche daraufhin gegen ihn einnahm, veranlasste ihn dann auch zu offenkundiger Zurücksetzung des Christentums. Es ist hier jedoch nicht der Ort, der Bedeutung Julians gerecht zu werden. Wir haben hier nur den Einfluss seiner kurzen Regierungszeit auf die Juden und im engeren Sinn nur auf diejenigen Palästinas, zu betrachten. Von dem Augenblicke an, da Julian die Regierung übernahm, hörte der schwere Druck auf, der auf den Juden Palästinas lastete. Sie konnten sich wieder als völlig gleichberechtigte Bürger des römischen Reiches fühlen. Ihre schlimmsten Hasser, die fanatischen Geistlichen, durften ihrer Verfolgungssucht gegen Juden und Heiden nicht mehr Ausdruck geben. Wagten sie es dennoch, wie das unter Einfluss des Athanasius stehende ägyptische Konzil (i. J. 362), so hatten sie vor der Strafe des Kaisers zu zittern. Ja noch mehr, die gemeinsame Befeindung seitens der Kirche sowie die Erkenntnis des den Juden zugefügten Unrechts, vielleicht auch die Hoffnung, durch Begünstigung der römischen Juden die persischen sich freundlich zu stimmen, veranlassten Julian zu ausgesprochen judenfreundlichen Massnahmen. In einem Rücksichtnahme auf den der Bedeutung nach bereits antiquierten Titel. Die zeitweise hervorragende Stellung des letzten Patriarchen verdankt dieser mehr seiner Persönlichkeit als seinem Amte. Die Zahlung der Patriarchen- Steuer, die von den Juden bis zum Erlöschen des Patriarchats freiwillig geleistet wurde, ist wohl nur ein Akt der Pietät gegen das Haus Hillels, durch den man die Fiktion eines geistigen Oberhauptes festhalten wollte.