Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 246)
- Language
- German
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174 sischen Gelehrten das Riesenwerk, das in der Folgezeit unter dem Namen babylonischer Talmud Hauptfaktor des jüdischen Geisteslebens werden sollte. Mit einem einzigen Faden waren die Juden aller Länder noch an Palästina geknüpft, durch die Kalenderbestimmung1). Wohl hat diese auch in früheren Jahren zeitweise ausserhalb Palästins stattgefunden, aber immer nur unter der jedesmaligen ausdrücklichen Billigung des Patriarchen. Andererseits war auch bereits früher die Kalenderberechnung den babylonischen Gesetzeslehrern bekannt, und in unruhigen Zeiten, in denen es nicht möglich war, den ausländischen Juden Nachricht über etwaige Abweichungen von der Kalenderberechnung zukommen zu lassen, unterliess man in Palästina jede Abweichung, damit die ausländischen Juden die Feste nicht anders feierten als die Palästinenser, aber immer war es nötig, dass das Sanhedrin des Patriarchen seinerseits ebenfalls die Monate berechnete und sanktionierte; nur konnte man in unruhigen Zeiten sicher sein, dass der vom Patriarchen festgesetzte Kalender sich genau an die Berechnung hielt. Jetzt befürchtete der Patriarch Hillel II, es könnte der Tag herankommen, da es dem Sanhedrin des Patriarchen unmöglich gemacht würde, regelmässig die Monatsansätze zu sanktionieren oder gar, da es überhaupt kein Sanhedrin mehr gäbe. Deshalb fasste er den hochherzigen Entschluss, in Zukunft die Gesamtjudenheit von dem Sanhedrin des Patriarchen unabhängig zu machen und sanktionierte mit seinem Sanhedrin im voraus die Monatsansätze des für alle Zukunft berechneten Kalenders. Dieser letzte und folgenreichste Akt des palästinensischen Sanhedrin fand wohl im Jahre 359/60 (670 Sei.) statt2). Mit ihm endet auch die politische Bedeutung des Patriarchats3 *). 1j Vgl. zu diesem Absatz die vorzügliche Abhandlung Halevys S. 393 —398. Die falsche Auffassung bei Grätz IV8, S. 318/19 und Note 31 beruht auf Ausserachtlassung der Tatsache, dass bereits zur Zeit Abajis die Kalenderberechnung in Babylonien bekannt war (vgl. b. Beza 4 b) sowie auf der falschen Annahme, dass R. Jose ein Zeitgenosse Hilleis II gewesen wäre. י) Nachmanides ספר הזכות zu Gittin IV, S. 43 b. Dieselbe Angabe hat auch ס, העיב!ר (ed. Filipowsky, London 1851, S. 97) im Namen des R. Hai Gaon. 3) Die besondere Hervorhebung der Patriarchen vor anderen Führern der jüdischen Gemeinden in den späteren Gesetzen ist wohl nur eine gewisse