Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 235)
- Language
- German
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auf einen Sabbat verlegte, um ihn, wenn auch nicht am richtigen Tage, feiern zu können. Gerade aus diesem Berichte ist es aber ersichtlich, dass es den Römern nicht um eine allgemeine Unterdrückung des Religionsgesetzes zu tun war, da sie die Feier des Sabbats ja nicht störten, sondern dass sie lediglich die Feier des durch den jüdischen Kalender bestimmten Jom Kippur verhindern wollten. Eine Erklärung für diese auffällige Tatsache gibt wohl die Be- Stimmung des römischen Staatsrechtes, dass nur autonome Städte das Recht hatten, nach eignem Kalender zu zählen; die nicht autonomen mussten sich nach dem Provinzialkalender richten1). Da die Juden keine Autonomie besassen, so war der eigne Kalender in den Augen der Römer eine ungesetzliche Anmassung, die man mit allen Mitteln unterdrücken musste, umso mehr, da dieser unerlaubte Kalender nicht für eine einzelne Stadt, sondern für die Juden des ganzen Reiches, ja sogar für die persischen Juden Giltigkeit beanspruchte. Von diesem Gesichtspunkte aus wird der Widerwillen der Römer gerade gegen den Kalender verständlich. Religionshass darf man auch hierin nicht erblicken, wie überhaupt während des 3. Jahrhunderts die Juden Palästinas ihres Glaubens wegen nicht verfolgt wurden. II. In vorstehendem ist versucht worden, die staatsrechtliche Stellung der palästinensischen Juden während des 3. Jahrhunderts und ihr daraus folgendes Verhältnis zur römischen Regierung zu beleuchten. In folgendem seien die allgemeinen politischen Verhältnisse des römischen Reiches seit dem Tode Caracallas. insofern sie die Juden Palästinas beeinflussten, einer kurzen Würdigung unterzogen. Nach Ermordung Caracallas riefen die Soldaten den Macrinus zum Kaiser aus (217); er beendete den parthischen Krieg durch einen schmählichen Frieden und verlor bereits im Jahre 218 im Kampfe mit den Truppen Elagabals Krone und Leben. Mit Elagabal und seinem Nachfolger und Vetter Alexander Severus (222—235) bestiegen geborene Syrer den Thron der Cäsaren. Elagabals schmachvolle Regierung war von keinerlei ג) Mommsen, Röm, Strafrecht HI 1, S. 707 u. 755/6.