Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 232)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3486266-3486275--1824-3488187
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

160 Faktor nicht vorauszusetzen. Verfolgungen aus religiösen Motiven sind nocl! weniger anzunebmen, da solche Verfolgungen gegen die Juden nicht einmal in den schlimmsten Zeiten vorkamen, in Zeiten, in denen das Heidentum für die Römer noch eine positive Bedeutung hatte. Die Religionsverfolgungen in der Hadrianischcn Zeit hatten sich zwar gegen die Religion gerichtet, aber aus politischen Gründen. Von solchen Religionsverfolgungen gegenüber dem Christentum ist ja gerade das 3. Jahrhundert erfüllt, aber sie waren lediglich von politischen Erwägungen veranlasst, weil die römischen Staatsmänner in dem an Bekennern mit unheimlicher Schnelle anwachsenden Christentum eine für den Staat höchst gefährliche Macht erblickten. Das Judentum brauchten sie als solche nicht zu fürchten; wohl lebten seine Bekenner in den meisten Provinzen des Reiches, aber der Zuwachs durch Proselyten wird damals hur gering gewesen sein, da das Judentum ihnen die Beschneidung und die Beobachtung der Speisegesetze sowie der zahlreichen anderen Vorschriften auferlegte. Und während in früherer Zeit Judentum und Christentum als zwei Sekten derselben Religion galten, lernten die Heiden allmählich einen Unterschied zu machen, znmal der Gegensatz von jüdischer und christlicher Seite aufs schärfste betont wurde1). — Lag also für die Römer kein Grund zu Feindseligkeiten gegen die Juden vor, so musste es einsichtigen römischen Staatsmännern sogar am Herzen liegen, die Juden mit der römischen Herrschaft zu befreunden. In den Perserkriegen, die vom Ende des dritten Dezenniums an, fast das ganze dritte Jahrhundert hindurch das Leitmotiv der römischen Politik im Orient bildeten, war die Haltung der Juden in den Grenzprovinzen und überhaupt in Asien von Bedeutung. Die bessere Behandlung der Juden durch die römische Regierung hatte tatsächlich zur Folge., dass Juden in kritischer Zeit für Rom eintraten; so kämpften bei der Belagerung von Caesarea in Cappadocien die dortigen Juden ״ sogar gegen den Perserkönig Schabur, den Begünstiger der babylonischen Juden 2). 1) Origenes, Horn VI in ps. XXXI. 2) b Moed k. 26 a; מזיגת קיסרי ist Caesarea in Cappadocien, das früher Ma£axa geheissen hat, vgl. Lagarde, Mitteilungen II, S. 242; Boettger,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.