Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Journal
- Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
- Volume
- V. 1907 - 5668 (1907)
- Date
- 1907-01-01
- Page
- – (sequence 232)
- Language
- German
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160 Faktor nicht vorauszusetzen. Verfolgungen aus religiösen Motiven sind nocl! weniger anzunebmen, da solche Verfolgungen gegen die Juden nicht einmal in den schlimmsten Zeiten vorkamen, in Zeiten, in denen das Heidentum für die Römer noch eine positive Bedeutung hatte. Die Religionsverfolgungen in der Hadrianischcn Zeit hatten sich zwar gegen die Religion gerichtet, aber aus politischen Gründen. Von solchen Religionsverfolgungen gegenüber dem Christentum ist ja gerade das 3. Jahrhundert erfüllt, aber sie waren lediglich von politischen Erwägungen veranlasst, weil die römischen Staatsmänner in dem an Bekennern mit unheimlicher Schnelle anwachsenden Christentum eine für den Staat höchst gefährliche Macht erblickten. Das Judentum brauchten sie als solche nicht zu fürchten; wohl lebten seine Bekenner in den meisten Provinzen des Reiches, aber der Zuwachs durch Proselyten wird damals hur gering gewesen sein, da das Judentum ihnen die Beschneidung und die Beobachtung der Speisegesetze sowie der zahlreichen anderen Vorschriften auferlegte. Und während in früherer Zeit Judentum und Christentum als zwei Sekten derselben Religion galten, lernten die Heiden allmählich einen Unterschied zu machen, znmal der Gegensatz von jüdischer und christlicher Seite aufs schärfste betont wurde1). — Lag also für die Römer kein Grund zu Feindseligkeiten gegen die Juden vor, so musste es einsichtigen römischen Staatsmännern sogar am Herzen liegen, die Juden mit der römischen Herrschaft zu befreunden. In den Perserkriegen, die vom Ende des dritten Dezenniums an, fast das ganze dritte Jahrhundert hindurch das Leitmotiv der römischen Politik im Orient bildeten, war die Haltung der Juden in den Grenzprovinzen und überhaupt in Asien von Bedeutung. Die bessere Behandlung der Juden durch die römische Regierung hatte tatsächlich zur Folge., dass Juden in kritischer Zeit für Rom eintraten; so kämpften bei der Belagerung von Caesarea in Cappadocien die dortigen Juden ״ sogar gegen den Perserkönig Schabur, den Begünstiger der babylonischen Juden 2). 1) Origenes, Horn VI in ps. XXXI. 2) b Moed k. 26 a; מזיגת קיסרי ist Caesarea in Cappadocien, das früher Ma£axa geheissen hat, vgl. Lagarde, Mitteilungen II, S. 242; Boettger,