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Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft · 1907-01-01 · V. 1907 - 5668 (1907) · page 142

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Journal
Jahrbuch der Jüdisch-Literarischen Gesellschaft
Volume
V. 1907 - 5668 (1907)
Date
1907-01-01
Page
– (sequence 142)
Language
German
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70 und böse Menschen“ in die Dienste des Diplomaten traten und Amsterdamer Juden, die nach ihrem alten Vaterlande kamen, den Häschern in die Hände fielen, kam das schändliche Treiben an die Öffentlichkeit. Die Parnassim setzten alle Hebel in Bewegung, um dem Missstande zu steuern. Sie erklärten der Regierung, dass bei Fortdauer dieser Zustände ihr Handel zu Grunde gehen und ihre Glaubensgenossen in der alten Heimat der völligen Vernichtung anheimfallen mussten3). Auf ihre Anregung hin fasste die Regierung den Beschluss, dass fortan die Juden in Angelegenheit ihres Bekenntnisses keinen wahrheitsgetreuen Bericht geben müssten, sondern die Fragen der Richter betreffend ihre Zugehörigkeit zum Judentume unbeantwortet lassen könnten. Die Richter erhielten zugleich den Auftrag, sich nach dieser Ent- Scheidung zu verhalten und in Religionssachen keine Antworten zu erzwingen2). Mit diesen Beschlüssen glaubte man, eine Besserung herbeizuführen. Für diejenigen allerdings, die bereits in Amsterdam wohnten, waren diese Bestimmungen wertlos, denn sie standen schon längst anf den Listen; aber die neuen Ankömmlinge wie deren Familien in der alten Heimat waren dadurch teilweise geschützt. Gänzlich konnte das Unheil nicht mit einem Schlage beseitigt werden, da die Handelsbeziehungen mit der Heimat fortbestanden. Durch Unterschlagung oder Öffnen der Korrespondenzen konnten die Ketzer noch immer ermittelt und ihrem Schicksal entgegengeführt werden. Nachdem die Marranen in Portugal so die Wahrnehmung gemacht hatten, dass die erheuchelte Reue ihnen wenig diente, wagten sie es, selbst vor dem Inquisitionsgericht ihr wahres Glaubensbekenntnis abzulegen, obwohl sie wussten, was ihnen dafür bevorstand. Das heldenhafte Verhalten machte jedoch auf die Richter einen überwältigenden Eindruck und hatte zur Folge, dass sie auf kurze Zeit von der grausamen Härte abliessen und sich mit dem blossen Abschwören des jüdischen Glaubens zufrieden gaben. Allein diese schwankende Haltung der Inquisitoren ermutigte die Marranen zum Ausharren im Glauben ihrer Väter. י) Res. v. Holland 31. Juli 1680! *) Res. v. Holland 21. Sept. 1680, Kerkelyk Placaatboek 111. p. 335.

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